https://www.faz.net/-gqe-agvw8

Steigende Preise : Verdi fordert deutlich mehr Lohn wegen Inflation

  • Aktualisiert am

Die Preise in deutschen Supermärkten haben bereits deutlich angezogen. Bild: dpa

Verbraucherschützer verlangen wegen der steigenden Gaspreise mehr Wohngeld. Während der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans vor „Panikmache“ warnt, spricht die FDP angesichts der nicht vollen Gasspeicher von „politischem Versagen“.

          2 Min.

          Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, fordert angesichts der hohen Inflationsrate „deutlich spürbare Reallohnsteigerungen“. Diese seien notwendig, um den Beschäftigten und ihren Familien zu ermöglichten, den Preisanstieg aufzufangen. „Da die Preissprünge etwa für Lebensmittel, Energie und Benzin insbesondere Menschen mit geringeren und mittleren Einkommen betreffen, beinhalten unsere Tarifforderungen Mindestbeträge, die die Lohnsteigerungen für diese Beschäftigten überdurchschnittlich wirken lassen“, sagte Werneke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

          Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans warnte unterdessen vor Panikmache. „Wenn mit der Verunsicherung Panikmache betrieben wird, ist das schlicht verantwortungslos“, sagte Walter-Borjans dem RND. Vor einem Jahr seien die Energiepreise durch Corona sehr stark gesunken, jetzt wirke der Anstieg umso steiler – „löst zusammen mit der ausgelaufenen Mehrwertsteuersenkung verständlicherweise eine große Verunsicherung aus, auch wenn die durchschnittliche Preissteigerung wesentlich geringer ist“, betonte Walter-Borjans, der in dem Zusammenhang von einer „Zickzackbewegung“ spricht.

          Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, widerspricht dem SPD-Politiker. „Die Gefahr einer anhaltend hohen Inflation von deutlich über zwei Prozent ist hoch. Das trifft die Haushalte in Deutschland mit voller Wucht“, sagte Linnemann dem RND. Bei niedrigen Zinsen sei dies „eine kalte Enteignung der Sparer.“

          Menschen könnten bald im Kalten sitzen

          Verbraucherschützer fordern angesichts der deutlich steigenden Gaspreise Hilfen für einkommensschwache Haushalte. „Steigende Preise sollte man abfedern, indem das Wohngeld für Haushalte mit niedrigem Einkommen aufgestockt wird“, sagte Thomas Engelke vom Dachverband Verbraucherzentrale Bundesverband der Zeitung Welt. „Im Fall von Haushalten, die kein Wohngeld bekommen, muss die Regierung alles tun, dass bei ausbleibenden Zahlungen keine Gassperren verhängt werden und die Menschen im Kalten sitzen.“

          Der Preisanstieg beim Gas sei „besorgniserregend“, sagte Engelke der Zeitung. „Die Großhandelspreise für Gas haben sich in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht. Es ist auch für Privatkunden im kommenden Jahr mit weiteren, deutlichen Preissteigerungen zu rechnen“, prognostiziert er. Besorgniserregend sei auch die Versorgungssicherheit.

          „Inwiefern gestiegene Großhandelspreise bei den Endkunden ankommen, ist noch nicht klar“, fordert die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden der Zeitung Welt. Die Bundesregierung müsse jetzt bei den Versorgern klären, welche Preisentwicklung ab Januar 2022 zu erwarten seien. „Auf dieser Grundlage kann die Politik schauen, wo es unzumutbare Härten gibt und wo Unterstützung nötig ist.“

          Gasspeicher nur zu 70 Prozent gefüllt

          Nach Expertenangaben sind die deutschen Gasspeicher derzeit zu 70 Prozent gefüllt – üblich sind vor Beginn der Heizperiode 90 Prozent. Der Energieexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Johann Saathoff, beruhigte: „Um Versorgungsengpässe in der Zukunft müssen wir uns keine Sorgen machen. Die Europäische Union ist mit großen Importpipelines verbunden, die die Versorgung gewährleisten.“ Zudem gebe es eine Vielzahl an Flüssiggas-Terminals, die Erdgas aus der ganzen Welt importieren könnten.

          Allerdings zeigen die derzeitigen Lagerbestände laut der FDP eine grundsätzliche Schwachstelle der Gas-Versorgung in Deutschland. Dass die Speicher nicht rechtzeitig gefüllt worden seien, sei „politisches Versagen“, sagte der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Martin Neumann, der „Welt“. „Wir brauchen klare Strukturen, wer seitens des Staats dafür zuständig ist und über die Versorgungssicherheit wacht.“

          Die Organisation der Gas-Lagerbestände ist laut dem Blatt nicht staatlich reguliert, sondern Sache der Energieunternehmen. Die Bundesregierung lehne staatliche Eingriffe ab.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Willkommen an Bord: Der Möbelhändler XXXLutz begrüßt neue Auszubildende mit einer virtuellen Veranstaltung.

          Neue Jobs : PwC schafft, Commerzbank streicht 10.000 Stellen

          Große Arbeitgeber suchen verstärkt Personal. Viele neue Stellen entstehen in der Logistik rund um den Onlinehandel oder für die digitale Aufrüstung der Wirtschaft. Welche Bewerber haben wo Chancen?
          Forschung im Unterdruck-Labor: Viren werden in einer Nährlösung zur Vermehrung angeregt.

          Versuche mit dem Coronavirus : Außer Kontrolle

          Forscher haben am Wuhan-Institut mit amerikanischem Geld gefährliche Coronavirus-Experimente vorgenommen. Die „Gain-of-Function-Forschung“ muss dringend in ihre Schranken verwiesen werden. Ein Gastkommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.