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Erfolg der USA : Vorteil Marktwirtschaft

US-Präsident Joe Biden Anfang Mai im Weißen Haus Bild: EPA

Immer wieder wurde der Niedergang der amerikanischen Wirtschaft angekündigt. Immer war die Prognose falsch. Europa muss daraus die richtige Lehre ziehen – und diese kann nicht im Vertrauen auf immer mehr Industriepolitik bestehen.

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          Zu den vielen Fehleinschätzungen des russischen Staatspräsidenten vor Kriegsbeginn gehört die Annahme, der Westen sei schwach. Das erscheint erst recht mit Blick auf die Vereinigten Staaten falsch. Der amerikanische Ökonom Alex Tabarrok hat in diesem Zusammenhang auf eine interessante historische Tradition verwiesen, denn die Voraussage vom wirtschaftlichen Niedergang der Vereinigten Staaten besitzt eine lange Tradition. Am Ende setzt sich jedoch Marktwirtschaft gegenüber forcierter Industriepolitik durch.

          In den ersten 30 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sagten nicht nur Moskauer Propagandisten, sondern auch angesehene Ökonomen in den USA eine Fähigkeit der Sowjetunion voraus, Amerika einzuholen. Tatsächlich zeigte sich die Sowjetunion mit ihrer Kommandowirtschaft un­fähig, nachhaltigen Wohlstand zu erzeugen. Sie brach auseinander. Russland ist es danach nie gelungen, einen stärker durch Wertschöpfung als durch Rohstoffexport getriebenen Wachstumspfad einzuschlagen.

          Um das Jahr 1980 herum galt Japan als der große Konkurrent im Rennen um wirtschaftliche Vorherrschaft. Eine durch das damals legendäre Ministerium für Internationalen Handel und Industrie (Miti) geförderte, protektionistisch beeinflusste Industriepolitik führte zu so beeindruckenden Exporterfolgen, dass die japanische Automobilindustrie vor­übergehend freiwillig ihre Ausfuhren von Autos in die USA reduzierte, um den amerikanischen Zorn zu dämpfen. Diese Epoche gehört der Vergangenheit an. Japan ist immer noch ein respektables Industrieland, aber kein einschüchternder Riese mehr.

          Seit einigen Jahren gilt der chinesische Staatskapitalismus als die große Herausforderung für die amerikanische Suprematie. Doch wer das ex­trem unsouveräne Verhalten Pekings in der Pandemie anschaut, kann Zweifel bekommen, ob China wirklich die unterstellte Stärke aufweist. Heute lassen sich in der deutschen Wirtschaft Stimmen vernehmen, die in den USA den wirtschaftlichen Gewinner des Krieges in Osteuropa sehen. Wichtig ist, dass Europa daraus die richtige Lehre zieht. Sie kann nicht im Vertrauen auf immer mehr Industriepolitik bestehen.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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