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Trotz Corona-Krise : Französische Gewerkschaft droht mit einmonatigem Streik

Die CGT kritisiert die Lockerung des Arbeitsrechts und unzureichende sanitäre Arbeitsbedingungen. Bild: AFP

Frankreichs größte Gewerkschaft im öffentlichen Dienst will sich von der Corona-Pandemie nicht vom Kurs abbringen lassen – und hat zum Streik aufgerufen. Wie viele Franzosen dem Aufruf folgen werden, ist aber unklar.

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          Die Aufrufe zur Solidarität im Kampf gegen das Coronavirus verhallen bei der französischen Gewerkschaft CGT offenbar ungehört. Die Arbeitnehmer-Organisation hat am Donnerstag für den Monat April zu einer Arbeitsniederlegung im öffentlichen Dienst aufgerufen. In einem Brief an die Minister für Arbeit, Haushalt und den öffentlichen Dienst kündigte die für den Staatsdienst zuständige Abteilung der CGT den Streik an. Sie will damit gegen die „antisozialen Maßnahmen“ protestieren, die im Notgesetz gegen die Pandemie enthalten seien.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Darin ist unter anderem vorgesehen, dass die Arbeitnehmer in strategisch wichtigen Sektoren mehr arbeiten sollen (zeitlich begrenzt bis zu 60 Wochenstunden), zudem werden die Bedingungen für Nacht- und Sonntagsarbeit gelockert. Die CGT-Abteilung für den öffentlichen Dienst zählt 85.000 Mitglieder in kommunalen und regionalen Behörden, in der Wasserwirtschaft, im sozialen Wohnungsbau sowie unter Feuerwehrleuten und im Bestattungspersonal. Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass die Arbeitnehmer derzeit am Arbeitsplatz nicht ausreichend sanitär geschützt würden, es fehlten Masken, Desinfektionsmittel und Tests auf Covid-19.

          Gerade in einem solchen Umfeld dürfe man die Menschen nicht noch mehr arbeiten lassen. Die CGT merkt an, dass der Staat dagegen bei der Polizeiausrüstung zur Unterdrückung  von Demonstrationen wie Tränengas und Geschosse niemals leere Lager habe. Der Staat lasse sich vor den Karren „der Kapitalisten“ spannen, heißt es in der Pressemitteilung.

          Applaus am offenen Fenster

          Der für den öffentlichen Dienst zuständige Staatssekretär Olivier Dussopt zeigte sich „überrascht“ über die Streikankündigung, wie die Tageszeitung „Le Parisien“ berichtete. Zumal auf der föderalen Ebene oberhalb der Branchenorganisationen alle Gewerkschaften – auch die CGT – kürzlich auf Streikankündigungen verzichtet haben. Dussopt erstaunt der Aufruf zur Arbeitsniederlegung umso mehr, als die Regierung alle wichtigen Reformen, darunter die des öffentlichen Dienstes und der Rentenreform, wegen der Corona-Krise zurückgestellt hat.

          Im öffentlichen Dienst ist die CGT weiterhin die größte französische Gewerkschaft, in allen Bereichen einschließlich der Privatwirtschaft liegt sie jedoch auf dem zweiten Rang hinter der gemäßigteren CFDT. Es bleibt abzuwarten, wie viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes den Streikaufruf befolgen werden. Durch Frankreich zieht sich gerade eine Sympathiewelle für das Gesundheitspersonal. Jeden Abend um 20 Uhr spenden die Menschen am offenen Fenster Applaus. Auch alle möglichen Hilfsorganisationen finden viel Unterstützung. Die Anerkennung für jene Menschen, die ihre Arbeit tun und damit die allgemeine Versorgung im Land garantieren, ist groß.

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