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Früherer Präsident Zimbabwes : Das traurige Erbe von Robert Mugabe

Mauerbild von Robert Mugabe in Harare Bild: AP

Bittere Armut und Massenarbeitslosigkeit: Die wirtschaftliche Lage Zimbabwes hat sich unter Mugabes Nachfolger sogar nochmal verschlechtert. Und es gibt wenig Hoffnung auf bessere Zeiten.

          4 Min.

          Die Nachricht vom Tod Robert Mugabes, langjähriger zimbabwischer Präsident, früherer Unabhängigkeitskämpfer und dann Diktator, löst unterschiedliche Gefühle aus. Manche seiner Landsleute verehren ihn noch immer, andere hassen ihn. Besonders in der Exilantengemeinde ist Mugabe ein Feindbild. In London vor der Botschaft, dem Zimbabwe House in allerfeinster zentraler Lage an der berühmten Straße Strand, gab es immer wieder Demonstrationen gegen Mugabe, bevor dieser vom Militär zum Rücktritt gezwungen wurde. Das Zimbabwe House wirkt heute verwaist. Hinter dreckigen großen Fensterscheiben sieht man ebenerdig leere Räume, wo einst um Touristen geworben wurde. Die Botschaft erscheint fast wie ein Geisterhaus.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Eine Art Geisterhaus, ökonomisch tief geschwächt und politisch von dem meisten geächtet, ist das ganze südostafrikanische Land bis heute. Zwei Jahre nachdem Mugabe von der Armee aus dem Amt gedrängt und durch Vizepräsident Emmerson Mnangagwa ersetzt wurde, ist das Land noch immer bitterarm und leidet unter extrem hoher Inflation, einer starken Rezession, Massenarbeitslosigkeit und Versorgungsengpässen. Mnangagwa (Spitzname „Das Krokodil“, weil er als Geheimdienstminister in den achtziger Jahren Tausende Oppositionelle töten ließ) hat keinen wirklichen Plan, wie er die Lage bessern könnte. „Kritiker sagen, dass die Wirtschaft jetzt sogar noch schlechter ist als unter Präsident Robert Mugabe“, sagt der Ökonom Jee van der Linde von NKC African Economics, einer Tochtergesellschaft von Oxford Economics, der von Südafrika aus das Nachbarland studiert.

          Viele weiße Großfarmer wurden enteignet

          Zimbabwes Wirtschaft schrumpft nach seiner Prognose in diesem Jahr real 6 Prozent, das durchschnittliche Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt ist von 1200 Dollar unter 1000 Dollar im Jahr gefallen. Die Arbeitslosenquote beträgt realistisch gerechnet etwa 75 Prozent, die meisten Menschen haben nur Hilfs- oder Gelegenheitsjobs. Da die Regierung noch immer ihre hohen Staatsdefizite durch Gelddrucken decken lässt, hat sich die Inflationsrate laut NKC in diesem Jahr im Durchschnitt auf 150 Prozent beschleunigt, im Sommer stieg sie sogar auf 230 Prozent – mehr als das Zehnfache der letzten offiziellen Angabe. Inzwischen veröffentlicht die Regierung keine Inflationsjahresraten mehr. Der Wert des Zim Dollar schmilzt wie Eis in der afrikanischen Sonne, Analysten nennen ihn eine „Zombie-Währung“; auf dem Schwarzmarkt bekommt man Waren nur gegen amerikanische Dollar.

          Seit Mnangagwa im Amt ist, gibt es immer wieder Proteste gegen seine Wirtschaftspolitik, die mit gewissen Kürzungen die ärmere Bevölkerung hart trifft. Die Mnangagwa offenbar versprochene Hilfe westlicher Regierungen blieb aus. Etwa 3 Millionen Menschen leiden laut UN-Angaben an Unterernährung. Ein Grund für die schlechte Lage sind auch Dürren in einigen Landesteilen. Das Austrocknen des Zambezi-Flusses hat Wasserkraftwerke lahmgelegt. Die Stromversorgung wird derzeit bis zu 18 Stunden am Tag abgeschaltet. In der Hauptstadt Harare und anderen Städten fällt auch die Wasserversorgung häufig aus.

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