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„Medizinische Revolution“ : Krankenkasse sucht Tester für digitale Patientenakte

  • -Aktualisiert am

Bald Geschichte: Künftig soll das Smartphone die Krankenkassenkarte bei der TK ersetzen. Bild: Ilja C. Hendel / VISUM

Versicherte der Techniker Krankenkasse sollen schon bald alle ihre Gesundheitsdaten per App mit dem Smartphone einsehen können. Vergisst der Nutzer allerdings sein Passwort, verliert er den Zugang zu seinen Daten.

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          Die Techniker Krankenkasse (TK) geht den nächsten Schritt hin zur digitalen Patientenakte. Mitglieder der größten deutschen Krankenkasse können sich ab sofort für die Teilnahme an einem Großversuch zur elektronischen Patientenakte melden. Ein zusammen mit dem IT-Unternehmen IBM unternommene Testlauf, alle Gesundheitsdaten eines Patienten elektronisch zu speichern, sei erfolgreich verlaufen, machte TK-Chef Jens Baas am Dienstag deutlich. Der digitale Tresor „TK-Safe“ soll es künftig allen TK-Versicherten möglich machen, Gesundheits- und Krankheitsdaten strukturiert und übersichtlich an einem Ort zu speichern und selbst zu managen. Der Zugriff auf das Angebot sei jederzeit per App mit dem Smartphone möglich.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die TK ist nicht die einzige Kasse, die an einer elektronischen Patientenakte arbeitet. Auch die AOK Nordost will in den kommenden Wochen den Status des Laborversuchs hinter sich lassen und für die gesamte AOK-Familie das Vorhaben auf Tauglichkeit testen. Beide Konzepte versprechen den Patienten einen schnelleren Zugriff auf ihre Daten. Doch beide Konzepte unterscheiden sich im Kern. Während die TK alle Daten auf einem Sever bei IBM hinterlegt, setzt die AOK auf ein dezentrales System. Die Daten sollen bei Bedarf von Rechnern der Ärzte und Krankenhäuser abgerufen werden.

          „Die nächste große Revolution in der Medizin“

          Die große Koalition hat in ihrem Regierungsvertrag versprochen, sie werde „bis 2021“ die elektronische Patientenakte einführen. Was damit konkret gemeint ist, ist aber noch unklar. Die SPD hat schon verlangt, die Übertragbarkeit der Daten beim Kassenwechsel müsse sichergestellt werden. Bislang liegen medizinische Daten dezentral elektronisch – oder zuweilen noch auf Papier – bei Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten oder Kassen. Patienten haben keinen direkten Zugriff auf die medizinischen Informationen zu ihrer Person wie Röntgenbilder oder Labordaten.

          Jens Baas (r), Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse und Matthias Hartmann, Geschäftsführer IBM Deutschland, präsentieren „die neue medizinische Revolution.“
          Jens Baas (r), Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse und Matthias Hartmann, Geschäftsführer IBM Deutschland, präsentieren „die neue medizinische Revolution.“ : Bild: dpa

          „Derzeit haben wir völlig überholte, analoge Strukturen, die es Patienten unnötig schwermachen, an ihre eigenen Daten heranzukommen“, sagte Baas. Mit dem neuen Angebot gebe es Transparenz: Ob im Urlaub, beim Umzug in eine andere Stadt oder bei einem Arztwechsel, der Versicherte habe seine elektronische Akte immer zur Hand. Gesundheitsdaten, die der Kasse vorlägen, könnten die Versicherten herunterladen. So könnten sie auf Wunsch ihre Impfhistorie, eine Auflistung ihrer verschreibungspflichtigen Medikamente oder Übersichten von Arzt- und Zahnarztbesuchen einschließlich der Diagnosen bekommen. Die Sammlung könne eigenhändig ergänzt werden, um freiverkäufliche Arzneien, Arztbriefe, Röntgenbilder oder Fitnessdaten.

          „Die nächste große Revolution in der Medizin sind nicht neue therapeutische oder diagnostische Maßnahmen, sondern die sinnvolle Zusammenführung und Analyse von Gesundheitsdaten“, sagte Baas. Die Hoheit über die privaten Daten dürfe nur der Versicherte haben. Deshalb bestimme ausschließlich er bei „TK-Safe“, was er dort ablegen wolle und wem er die Informationen zugänglich mache. Weder die TK noch IBM könnten darauf zugreifen. Die Daten würden dreifach gesichert und seien nur auf dem registrierten Smartphone mit dem persönlichen Passwort einsehbar. Wer das Passwort vergisst, der verliert aber auch den Zugriff auf die Akte.

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