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Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund. Bild: Picture-Alliance

In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.

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          Die Türkei kämpft an mehreren Fronten. Wortwörtlich in Nordsyrien, wo ihre Truppen einmarschiert sind, um die Kurdenmiliz zurückzudrängen und Platz für die Rückführung Tausender syrischer Flüchtlinge zu schaffen, die in der Türkei nicht mehr gern gesehen sind. Die anderen Fronten sind wirtschaftlicher Natur, aber ebenfalls brandgefährlich.

          Präsident Tayyip Erdogan hat es mit der Militäraktion zwar verstanden, den innenpolitischen Druck abzumildern: Selbst die säkulare Opposition steht hinter ihm. Aber außenpolitisch fällt die Türkei in jene Isolation zurück, in die sie sich schon während des Ausnahmezustands und bei der Etablierung des Präsidialsystems begeben hatte.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump mag mit seiner erratischen Türkei- und Syrien-Politik ein blamables Bild abgeben. Aber sollte er die jetzt eingeleiteten Sanktionen gegen Ankara ausweiten, dann ginge das sehr nahe an die angekündigte „Zerstörung“ der Wirtschaft heran. Trumps schärfste Waffe ist das Geld: Verbietet er Dollar-Transaktionen und Geschäfte mit türkischen Banken, bricht die Finanzierung der Türken im Ausland zusammen. Kollabieren würde die Wirtschaft auch, falls es Washington – wie in Iran – Unternehmen aus Drittstaaten verböte, mit dem kleinasiatischen Land Geschäfte zu machen.

          Konkurrenzstandort Bulgarien darf sich wieder Hoffnungen machen

          Das träfe dann auch die EU, den dominanten Wirtschaftspartner der Türkei. Besonders exponiert wären deutsche Händler, Investoren und Touristen, keine andere Nation lässt mehr Geld in der Türkei. Die EU selbst zögert mit Sanktionen: weil sie so eng mit der Türkei verflochten ist, weil sie wieder einmal uneins ist, weil niemand den Flüchtlingspakt gefährden will. Doch der Druck in Berlin, Brüssel und anderswo steigt, den Türken nicht alles durchgehen zu lassen.

          Das bekommt nun VW zu spüren, dessen Vorstand lieber heute als morgen ein neues Autowerk nahe Izmir errichten würde. Doch der Aufsichtsrat rückt wegen des Vormarsches in Syrien von dem Plan immer mehr ab. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD), der eine Sperrminorität verkörpert, zog am Dienstag die Notbremse und ließ die Entscheidung vertagen. Plötzlich ist alles offen, und der Konkurrenzstandort Bulgarien darf sich wieder Hoffnungen machen. Das nachgebesserte Angebot aus Sofia sollten Wolfsburg, Hannover, Berlin und Brüssel gründlich prüfen. In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit einziehen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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