https://www.faz.net/-gqe-9xqgj

Steuerhinterziehung : Der große Cum-Ex-Skandal

Cum-Ex verbindet sie alle: Vom ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück (links) bis zur Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker (rechts). Bild: F,A,S,

Im ersten Prozess um den dreisten Steuerbluff sind zwei Aktienhändler verurteilt worden. Jetzt sollen weitere Beschuldigte bestraft werden. Einer ist besonders ins Visier geraten: der Steueranwalt Hanno Berger. Wir haben ihn in seinem Schweizer Exil besucht.

          11 Min.

          Dieser Strafprozess rührt manchmal zu Tränen, so ungewöhnlich das bei Aktiengeschäften sein mag. So war es am vergangenen Dienstag im Cum-Ex-Prozess am Landgericht Bonn, dem ersten seiner Art, und diesmal traf es den Vorsitzenden Richter Roland Zickler, der vor einem noch nie dagewesenen Dilemma in seiner Karriere stand: Seit einem halben Jahr schon leitet er die Verhandlung in einem weit beachteten Strafprozess, erstmals mussten sich zwei Aktienhändler wegen der umstrittenen Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag vor einem deutschen Strafgericht verantworten. Mehr als 400 Millionen Euro soll das den Staat in den verhandelten Fällen gekostet haben, weil er für diese Geschäfte Steuern zurückerstattet hat, die zuvor gar nicht bezahlt worden waren. Von einem „Präzedenzfall“ war sogar die Rede.

          Corinna Budras
          (cbu.), Wirtschaft
          Marcus Jung
          (mj. ), Wirtschaft

          Dann fegte die Corona-Krise über das Land, hastig wurde auch am Landgericht Bonn die Verhandlungstätigkeit auf ein Minimum beschränkt. Der Prozess drohte zu platzen. Da entschied sich Zickler, das Verfahren abzukürzen und in wenigen Tagen durchzupeitschen, auch gegen den Widerstand einer Schöffin, die um ihre Gesundheit fürchtete. Fortan saß sie nur noch mit Mundschutz da. Als Zickler den ungewöhnlichen Vorgang erklärte, soll er sichtlich um Fassung gerungen haben, so berichten es mehrere Verfahrensbeobachter.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Protektionismus der 1930er : „Ein bösartiges Produkt von Dummheit und Gier“

          Trumps Handelspolitik weckt Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise und den Protektionismus der dreißiger Jahre. Damals löste Herbert Hoover mit einem höchst umstrittenen Zollgesetz fatale Gegenreaktionen aus. Heute jedoch ist unser Wohlstand nicht von Amerika bedroht. Ein Gastbeitrag.
          Französische Fischerboote vor der Küste von Jersey am Donnerstagmorgen

          Brexit-Streit vor Jersey : Wenn Paris und London Kriegsschiffe entsenden

          Die Regierungen rufen nach einer gütlichen Einigung, üben sich aber in militärischen Drohgebärden. Ein Fischer will es wissen: „Wir sind bereit, die Schlacht von Trafalgar noch einmal zu führen.“