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Steigende Wohnkosten : Was die Inflationsrate übersieht

Häuser in einem Neubaugebiet Bild: dpa

Viele Bürger halten die Teuerung für ungenau, weil sie das Wohnen nicht ausreichend berücksichtige. Die EZB will das ändern.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit ihrer Präsidentin Christine Lagarde einen engeren Kontakt zur Bevölkerung pflegen und dabei, wie Lagarde sagt, „nicht nur unsere Botschaften vermitteln, sondern auch zuhören“. Ähnlich äußerte sich auch Klaas Knot, der Gouverneur der niederländischen Zentralbank. Die EZB habe ihre Kommunikation mit den Teilnehmern an den Finanzmärkten perfektioniert, aber die Kommunikation mit den 330 Millionen Menschen in der Eurozone unterschätzt. Die von Lagarde initiierte Überprüfung der Strategie der EZB sei eine Gelegenheit, „wieder einen Kontakt mit der Bevölkerung herzustellen“. Eine solche Gelegenheit sieht die Notenbank mit einer stärkeren Berücksichtigung der Kosten selbstgenutzten Wohneigentums in der Inflationsrate.

          Als Beispiel für den verlorengegangenen Kontakt mit der Bevölkerung nannte Knot auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Befragung, nach der die Bevölkerung in den Niederlanden die dortige Inflationsrate mit rund 9 Prozent veranschlagt. Die offizielle Rate für Dezember 2019 beträgt aber nur 2,7 Prozent. In Deutschland ist die Wahrnehmung nicht so extrem verzerrt: Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht vom Dezember 2019 über eine Pilotstudie berichtet, nach der die meisten befragten Bürger für die nahe Zukunft eine Inflationsrate zwischen 0 und 3 Prozent erwarten. Aber auch in Deutschland sind gelegentlich Stimmen zu hören, die tatsächliche Teuerung übertreffe die offiziell ausgewiesene ganz erheblich.

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