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Energiewende : Rettet China das Klima?

Das größte schwimmende Solarkraftwerk der Erde in Huainan. Bild: Picture-Alliance

China gilt gemeinhin als der Klimakiller Nummer eins – dabei entstehen nirgendwo sonst auf der Welt so viele Anlagen zur Produktion von Ökostrom wie im Reich der Mitte. Das ist kein Widerspruch.

          4 Min.

          Wer in China eine Bestätigung für die Hoffnung sucht, der Klimasünder wandele sich zum Klimaretter, fährt nach Anhui. In Schanghais Nachbarprovinz, am Rande der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Huainan, liegt das größte schwimmende Solarkraftwerk der Erde. China hat mehr als 100 Städte mit mindestens eine Million Einwohnern, Huainan war bis vor kurzem kaum bekannt. Aus Schanghai braucht der Hochgeschwindigkeitszug vier Stunden, dann geht es über Ausfallstraßen lange aus Huainan hinaus. Das Motorboot, das am Ziel wartet, fährt geradewegs hinein in Chinas propagierte Energiewende, auf die so viele Klimaschützer rund um den Erdball hoffen, ist das Land doch der weltgrößte Kohlendioxidemittent.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          165.000 Solarpaneele glitzern auf dem Wasser unter Sonnenstrahlen, montiert auf Plastikpontons, die sich sanft auf den Wellen wiegen. Die 40 Megawatt Gesamtleistung reichen für den Strombedarf von 15.000 Haushalten. Eigentlich ist Huainan Kohlestadt und als Katastrophenschauplatz berüchtigt. Die Tiefe, in der sich hier die Abbauschächte in die Erde bohren, beträgt im Schnitt rund neunhundert Meter. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den Gruben rund 145 Explosionen, allein zwischen 1980 und 1997 verloren fast vierhundert Kumpel ihr Leben. Huainan sei so stark unterhöhlt, lautet ein Mythos, dass die Häuser nur drei Stockwerke hoch sein dürften – wegen der Einsturzgefahr.

          Die vielen Hochhaustürme beweisen jedoch das Gegenteil. Doch dass auf dem See die Solarpanelen auf einem ehemaligen Tagebau schwimmen, das stimmt. Sechsmal so groß wie das größte Vergleichsprojekt in Europa ist Chinas Solarpark auf dem Wasser. Nicht weit entfernt soll noch in diesem Jahr eine fast viermal größere schwimmende Photovoltaikanlage fertig werden, mit 150 Megawatt Leistung.

          China als Gegenstück zu Amerika

          Seit Amerikas Präsident Donald Trump im Sommer den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt hat, geben sich die ausländischen Reporter in Huainan die Klinke in die Hand; vor allem Korrespondenten amerikanischer Medien reisen an. Die Geschichte, die sich erzählen lässt, klingt spektakulär: Während die Vereinigten Staaten die internationale Gemeinschaft brüskieren und wieder Kohlekraftwerke bauen wollen, ruft China, das 2015 mit 29 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes doppelt so viel in die Atmosphäre geblasen hat wie Amerika, zum vereinten Klimaschutz auf und errichtet auf stillgelegten Minen Solaranlagen in Weltrekordzeit.

          Tatsächlich will Peking in drei Jahren 2,5 Billionen Yuan in die Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Wasser investieren, umgerechnet 317 Milliarden Euro. 89 Mal erwähnte Chinas Präsident Xi Jinping auf dem 19. Parteikongress im Oktober in seiner Rede den Begriff „Umwelt“, nur 70 Mal sprach er von „Wirtschaft“.

          Selbst Fachleuten wie Li Shuo aus dem Pekinger Greenpeace-Büro, der in der chinesischen Hauptstadt einem Winter entgegensieht, der kaum weniger Smog aufweisen dürfte als zwölf Monate zuvor, gilt das als Beweis, dass zumindest Chinas Zentralregierung den Ernst der Lage im eigenen Land erkannt habe. Allein schon aus Gründen des Machterhalts wolle Peking den Kohleverbrauch einschränken.

          Ob das gelingt, daran entscheidet sich das Weltklima. Mag Donald Trump tatsächlich den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen wahr machen – für das vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen, ist es entscheidend, was in der zweitgrößten Wirtschaft der Welt passiert: wie stark diese wächst, ob sie sich wie geplant in eine Dienstleistungsökonomie wandelt und wie hoch der Anteil der Kohle am Energiekonsum künftig ist. 2016 betrug er nach Angaben Pekings 62 Prozent, zwei Punkte weniger als im Vorjahr.

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