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Debatte ums Eintrittsalter : Die große Renten-Frage

Eine Gruppe Senioren macht eine Fahrradtour. Bild: epd

Wie lange müssen wir künftig arbeiten? Bis 69, empfiehlt die Bundesbank, und löst damit viel Widerspruch aus. Worauf es ankommt, wenn das Rentensystem wieder ins Lot kommen soll.

          6 Min.

          Die Deutsche Bundesbank ist eine seriöse Institution, die in der Bevölkerung viel Vertrauen genießt. Ihr Präsident Jens Weidmann ist ein hörbarer Mahner vor den Folgen der europäischen Niedrigzinspolitik für die Altersvorsorge und damit den deutschen Sparer. Der solide Ruf liegt auch begründet in den vielen handwerklich exzellenten Ökonomen, die in dem Verwaltungsgebäude in Frankfurt-Ginnheim beschäftigt sind. Vor kurzem stellten sie einen Befund vor, der nicht völlig neu war. Schon vor drei Jahren hatte die Bundesbank aus ihren Berechnungen die Empfehlung abgeleitet, das Rentenniveau an die Lebenserwartung zu koppeln. Lasse man alle anderen Variablen gleich, folge daraus bis zum Jahr 2070 ein Renteneintrittsalter von 69,3 Jahren. Der erste Teil des vorherigen Satzes ist entscheidend und übersetzt, was Ökonomen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass sie manchmal vergessen, darauf hinzuweisen. Ihre Analysen beruhen auf Ceteris-Paribus-Annahmen. Das heißt, um die Effekte voneinander zu unterscheiden, halten sie alle veränderbaren Variablen eines Modells konstant und beobachten, was mit der einzigen beweglichen Variable passiert.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das haben die Bundesbank-Ökonomen deutlich gemacht. Das Rentensystem eignet sich für solche Betrachtungen recht gut, weil die Zahl der Einflussfaktoren begrenzt ist, so dass man sehr gut die Wirkungen auf jeden einzelnen isolieren kann. Man muss allerdings einige Annahmen treffen – auch das ist bei ökonomischen Modellen Standard. Zum Beispiel mussten die Studienautoren eine Erwartung über die künftige wirtschaftliche Dynamik treffen. Mit einem jährlichen Produktivitätsfortschritt von 0,6 Prozent haben sie diese eher konservativ angesetzt – die Zahl liegt aber ungefähr in der Mitte der Daten aus der Vergangenheit. Für viele Kritiker der Studie ist auch die weite Vorausschau bis ins Jahr 2070 ungewöhnlich. Die Bundesbank stützt sich dabei auf die offiziellen demographischen Prognosen der Bundesregierung und des Statistischen Bundesamts.

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