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Plastikmüll : Die Deponie in den Ozeanen

Die Weltmeere sind voller Plastik. Bild: dpa

Plastikmüll landet tonnenweise in den Weltmeeren und richtet verheerende Schäden an. Die EU denkt über Zwangsmaßnahmen nach. Ob das etwas bringt, ist fraglich.

          6 Min.

          Als Boyan Slat gerade erwachsen war, hatte seine Idee noch viel von den Träumen eines Klassenprimus. Doch fünf Jahre später ist „The Ocean Cleanup“ Realität. Mit seinem mehr als hundert Meter langen Luftkissenboot will der 23 Jahre alte Niederländer einen der fünf gigantischen Plastikmüllstrudel im Pazifik reinigen. An dem Luftkissen befestigte Fangarme arbeiten unter der Wasseroberfläche wie riesige Filter, die PET-Flaschen einsammeln, aber Fische passieren lassen sollen. Zwar sind auf wissenschaftlicher Seite nicht alle von Slats Idee begeistert. Aber dank extensiven Marketings hat der Aktivist 30 Millionen Euro eingeworben, darunter Geld von potenten Mäzenen wie dem Paypal-Gründer Peter Thiel. Mehr als 70 Mitarbeiter beschäftigt das Non-Profit-Projekt inzwischen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Den Zeitgeist darf Slat damit auf seiner Seite wissen. Denn Schockbilder von Stränden voller Tüten, Flaschen und scharfkantiger Becher zeigen: Die Welt hat ein Plastikproblem. Mikroteilchen werden von Vögeln und Fischen gefressen und landen somit über kurz oder lang auch auf dem Speiseteller der Menschen. Laut einem kalifornischen Forscherteam wurde gerade mal ein Zehntel des in den vergangenen Jahrzehnten angefallenen Plastikmülls wiederverwertet; 80 Prozent und somit mehr als fünf Milliarden Tonnen landeten auf der Deponie und in der freien Natur. Europa ist mit einer durchschnittlichen Recyclingquote von rund 40 Prozent noch lange nicht am selbstgesteckten Ziel. Zumal von den rund 25 Millionen Tonnen, die hier jedes Jahr entstehen, zur Verwertung ein beträchtlicher Teil in Länder wie Vietnam oder Malaysia verschifft wird. Doch sosehr die Zahlen erschrecken mögen, neu sind sie nicht.

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