https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/neue-seidenstrasse-maas-warnt-italien-wegen-obor-16105324.html

Maas warnt Italien : China verfolgt eigene Interessen „global beinhart“

  • Aktualisiert am

Bundesaußenminister Heiko Maas vergangenen November in Peking. Bild: dpa

Italien verschreibt sich Chinas „Neuer Seidenstraße“, und der deutsche Außenminister ist skeptisch: Wer glaube, bei Geschäften mit Peking besonders clever zu sein, werde sich irgendwann wundern.

          1 Min.

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat sich kritisch über Italiens Teilnahme am chinesischen „Seidenstraßen“-Projekt geäußert. „Sollten einige Länder glauben, man kann mit den Chinesen clevere Geschäfte machen, werden sie sich wundern und irgendwann in Abhängigkeiten aufwachen“, sagte Maas der „Welt am Sonntag“. Kurzfristig lukrative Angebote könnten „schneller als gedacht einen bitteren Beigeschmack“ bekommen, warnte Maas.

          China habe Millionen Menschen aus der Armut in die Mittelschicht geführt und verfolge nun die „eigenen Interessen global beinhart“, sagte der SPD-Politiker. Gegenüber „Riesen“ wie China, Russland oder auch den Vereinigten Staaten könnten die europäischen Staaten „nur bestehen, wenn wir als EU geeint sind“.

          Ungeachtet internationaler Bedenken hatte Italien am Samstag seinen Einstieg in das chinesische Mega-Infrastrukturprojekt „Neue Seidenstraße“ in die Wege geleitet: In Anwesenheit von Chinas Präsident Xi Jinping und des italienischen Regierungschefs Giuseppe Conte unterzeichneten der Präsident der Nationalen Handelskommission Chinas, He Lifeng, und Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio, eine entsprechende Absichtserklärung. Diese ist nicht bindend.

          Italien ist das erste Land der G-7-Staaten, das sich dem Projekt anschließt.

          „One Belt, One Road“

          Die „Neue Seidenstraße“ soll in Anlehnung an die historischen Routen zwischen Mittelmeerraum und Ostasien neue Handels- und Verkehrsnetze zwischen den Kontinenten aufbauen. Dies umfasst Eisenbahnlinien, Straßen und Seeverbindungen von China nach Europa und Afrika. Die billionenschwere „One Belt, One Road“-Initiative der Volksrepublik ist für Xi ein zentrales Projekt, um Absatzmärkte enger an China zu binden.

          Das hochverschuldete Italien hat China quasi den roten Teppich ausgerollt und hofft auf eine Ausweitung seiner Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik. Allerdings gibt es massive Vorbehalte in der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten. Auch in der italienischen Regierung ist das Projekt umstritten. Kritiker warnen unter anderem vor der Gefahr einer wachsenden Abhängigkeit von China.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Chinas Präsident Xi Jinping

          China schottet sich ab : Gefangen in der Echokammer

          China schottet sich zusehends ab. Austausch und Dialog sind kaum noch möglich. Das hat einschneidende Folgen für das Verhältnis zu den Amerikanern – aber auch zu den Deutschen.
          Kateryna Kholodova, Viktoriia Spyrydonova und Olena Sukhorukova (von links nach rechts)

          Ukrainische Flüchtlinge : Drei Frauen fangen neu an

          Als der Krieg in der Ukraine anfing, nahmen viele Flüchtlinge nur Wintersachen mit, in der Hoffnung, nach zwei Wochen zurückzukehren. Nun versuchen drei Frauen, ihr zerstörtes Leben in Deutschland wieder aufzubauen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.