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F.A.Z. exklusiv : Die Industrie wird schrumpfen

In der Produktion von Porsche in Leipzig: Die Autoindustrie steckt mitten in einem Umbruch. Bild: dpa

Eine neue Analyse zeigt: In Leitbranchen wie der Autoindustrie dürften künftig viel weniger Menschen arbeiten. Anderswo wird dafür umso mehr Personal gesucht.

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          Der Strukturwandel in Leitbranchen wie der Autoindustrie oder dem Maschinenbau dürfte dazu führen, dass im verarbeitenden Gewerbe künftig deutlich weniger Menschen arbeiten als heute. Zu diesem Ergebnis kommen das Bundesinstitut für Berufsbildung und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf Grundlage ihrer neuen, regelmäßig erscheinenden Qualitäts- und Berufsprojektionen, die der F.A.Z. vorab vorliegen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Zahl der Erwerbstätigen in der Industrie dürfte bis zum Jahr 2040 demnach von heute rund 7,7 Millionen auf dann 6,1 Millionen zurückgehen. Im Gegenzug dürfte das Gesundheits- und Sozialwesen dann aufgrund der Alterung der Bevölkerung mit rund sieben Millionen Menschen die mit Abstand meisten Erwerbstätigen stellen.

          Weiter Fachkräfteengpässe in der Industrie

          Nach Einschätzung der Forscher führt die Corona-Krise zwar kurzfristig dazu, dass die Erwerbstätigkeit sinkt. Langfristig werde aber vor allem die Demographie das Wachstum des Arbeitsmarkts beschränken, schreiben sie. Diese ist der Analyse zufolge auch der Grund dafür, dass die Industrie trotz eines Schrumpfungsprozesses durch den Anpassungsdruck, Produktivitätssteigerungen und eine nachlassende Export-Dynamik weiter mit Fachkräfteengpässen zu kämpfen haben wird.

          In fast allen produzierenden Berufsgruppen scheide in den kommenden 20 Jahren fast die Hälfte der Erwerbspersonen mit einer beruflichen Qualifikation aus, heißt es in dem Bericht. Das Arbeitsangebot aber nehme vor allem in akademisch geprägten Berufen zu. So sei zu erwarten, dass bis zum Jahr 2040 rund 4,1 Millionen Menschen mit einem Hochschulabschluss – Bachelorabschlüsse und FH-Diplome nicht eingerechnet – auf den Arbeitsmarkt kommen.

          Für die Betriebe werde es demnach weiter schwierig bleiben, in heute schon von Fachkräfteengpässen betroffenen Bereichen wie in der Mechatronik und der Automatisierungstechnik sowie im Bereich Klempnerei, Heizung und Sanitär Personal zu finden. Gleiches gilt für die medizinischen Berufe. Bei Tätigkeiten auf Spezialisten- oder Expertenniveau wiederum werde die Rekrutierung vor allem in den Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufen schwieriger werden. Kurz gesagt: Softwareentwickler und Programmierer sind gefragt.

          Der Trend zur Höherqualifizierung wird den Forschern zufolge bis nach dem Ausscheiden der sogenannten Babyboomer anhalten. Vom Jahr 2035 an werde sich die Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen stabilisieren, schreiben sie. Der Anteil der beruflich Qualifizierten dürfte dann bei rund 38 Prozent liegen. Um den Anteil zu erhöhen, müssten die Erfolgsquoten von ausländischen Auszubildenden und Studierenden erhöht werden. Gerade in den Gesundheitsberufen müssten zudem gezielt Zuwanderungsanreize gesetzt werden, um das benötigte Personal zu finden, schreiben sie.

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