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Standpunkt : Neue Narrative über die Geldpolitik: das Gespenst der Inflation

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Unbegründete Angst: Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die aktuelle Geldpolitik zu permanent höherer Inflation oder gar zu einer Hyperinflation führen wird. Bild: dpa

Die Inflation ist heute vor allem deshalb so hoch, weil sie im Vorjahr so niedrig war. Rechnet man dies heraus, ist die Inflation eher zu niedrig als zu hoch.

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          Die Stimmung im Euroraum hellt sich auf. Verbraucher und Unternehmen sehen der Zukunft optimistischer entgegen. Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise schneller. Im August lag die Inflation im Euroraum bei 3 Prozent. In Deutschland erreichte sie, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, mit 3,4 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren. Sie dürfte bis zum Jahresende zunächst weiter steigen. Diese Entwicklungen bereiten den Menschen verständlicherweise Sorgen. Eine höhere Inflation senkt die Kaufkraft und schmälert die inflationsbereinigten Löhne und Zinserträge. Die sehr niedrigen Nominalzinsen verstärken diese Sorgen. Denn die Privatbanken geben negative Zinsen zunehmend an ihre Kunden weiter.

          Eine sachliche Einordnung der jüngsten Preisanstiege und künftigen Risiken ist wichtig, weil gerade in Deutschland Ängste geschürt werden. Da wird von „Weimarer Verhältnissen“ gesprochen, und es werden Parallelen zu den 1970er-Jahren gezogen. Ich werde erläutern, dass diese Vergleiche irreführend sind. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die aktuelle Geldpolitik zu permanent höherer Inflation oder gar zu einer Hyperinflation führen wird.

          Die Wirtschaft befand sich in einem Teufelskreis

          Maßstab und Kompass der Beurteilung der Inflationsrisiken ist unsere neue geldpolitische Strategie, die der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli einstimmig beschlossen hat. Herzstück ist ein symmetrisches Inflationsziel von mittelfristig jährlich 2 Prozent, das unser bisheriges Ziel von unter, aber nahe 2 Prozent ersetzt. Das neue Ziel stellt klar, dass wir anhaltende Abweichungen nach oben und nach unten als gleichermaßen schädlich ansehen. Diese Klarstellung ist wichtig, da wir in den vergangenen Jahren mit einer zu niedrigen statt einer zu hohen Inflation zu kämpfen hatten. Seit der globalen Finanzkrise betrug die Inflation im Euroraum im Schnitt nur 1,2 Prozent und in Deutschland 1,3 Prozent, also deutlich unter 2 Prozent.

          Auch eine zu niedrige Inflation stellt eine Gefahr für die Preisstabilität dar. Denn der Rückgang von Inflation und Inflationserwartungen war vor allem Ausdruck der gesunkenen langfristigen Wachstumsaussichten im Euroraum. Die Wirtschaft befand sich in einem Teufelskreis aus einer schwachen Nachfrage, einer geringen Profitabilität der Unternehmen, mageren Lohnsteigerungen und niedrigen Preissteigerungen.

          Dauerhaftes Absinken wird verhindert

          Der Rückgang des langfristigen Wachstums und der Inflationserwartungen führte zu fallenden Zinsen – lange bevor die EZB begann, im Rahmen ihrer Geldpolitik Anleihen zu kaufen. Sind die Zinsen sehr niedrig, kann die Geldpolitik die Wirtschaft in Krisenzeiten nicht mehr in derselben Weise stabilisieren. Denn Zentralbanken können die Leitzinsen nicht beliebig senken – sonst würde es zu einer Umschichtung von Bankeinlagen in Bargeld kommen.

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