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Neue Medikamente : Hoffnung auf Krebsheilung für 400.000 Euro

Seit vielen Jahren krebsfrei dank des neuen Verfahrens: Emily Whitehead Bild: T.J. Kirkpatrick/Redux/laif

Neue Therapien stehen in Europa vor der Zulassung. Sie versprechen vollständige Heilung. Was wäre der Preis für den Sieg über den Krebs?

          Für manche Patienten sind sie die letzte Hoffnung, Ärzte halten sie für einen Meilenstein in der Krebstherapie: manipulierte körpereigene Zellen, die den Krebs bekämpfen. Statt Operieren, Bestrahlen oder Chemiekeule kommt jetzt CAR-T. In Amerika sind zwei Präparate nach dem Verfahren seit einem Jahr im Einsatz. In Europa wird die Zulassung der auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Therapie mit „lebendem Medikament“ im September erwartet, die Europäische Arzneimittelbehörde hat das im Juni empfohlen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Erwartungen sind gewaltig. Sie reichen bis zum Heilsversprechen, dass der Blut- und Lymphdrüsenkrebs bei bisher Todgeweihten völlig verschwindet. Kronzeugin dafür ist Emily Whitehead. Bei der jungen Amerikanerin, die die Ärzte fast aufgegeben hatten, sei der Blutkrebs nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar. Auf Fotos posiert die Teenagerin lachend mit dem Schild „6 Jahre krebsfrei“.

          Doch die Risiken durch Begleiterscheinungen der Therapie sind beträchtlich und, wie das „Deutsche Ärzteblatt“ schreibt, „in manchen Fällen sogar tödlich“. Deshalb soll die Therapie streng reglementiert werden. Vorgespräche zwischen Herstellern, Krankenkassen und Gesundheitsministerium dazu haben stattgefunden. Einstweilen bleibt die Therapie Patienten vorbehalten, bei denen andere Prozeduren nicht angeschlagen haben.

          Strenge Regeln und hohe Preise

          Josef Hecken, der Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses, der über die Kostenerstattung durch die Kassen entscheidet, nennt weitere Bedingungen. Dazu gehört eine Behandlung nur „in ausgewählten, spezialisierten Zentren, um den hohen Risikoprofilen Rechnung zu tragen und einen qualitativ hochwertigen sowie indikationsgerechten Einsatz zu gewährleisten“. Ferner verlangt er eine lückenlose Kontrolle des Behandlungsfortschritts in Patientenregistern. So gewinne man mehr Informationen über den Verlauf. Bisher ist die Datenlage eher dünn.

          Gewaltig sind nicht zuletzt die Kosten. Zwar wollen sich die Hersteller Gilead und Novartis zu den Preisen, die sie in Deutschland aufrufen wollen, nicht äußern. Doch die Preise in Amerika sind bekannt. Dort verlangt Gilead für „Yescarta“, eine Therapie zur Bekämpfung von B-Zell-Lymphomen, 373.000 Dollar. Novartis ruft für sein Leukämie-Präparat CTL019, „Kymriah“, 475.000 Dollar, gut 400.000 Euro, auf.

          Der Preis ergebe sich aus dem hohen Wert, den die Therapie für Patienten, Kliniken, Gesundheitssysteme und die ganze Gesellschaft liefere, heißt es bei Novartis. „Die einmalige Behandlung kann bei Patienten mit lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankungen, bei denen bisher alle Therapien versagt haben, dazu führen, dass keine Krebszellen mehr nachweisbar sind und damit eine reelle Überlebenschance für diese Patienten gegeben ist.“ Der Therapieerfolg könne viele Jahre anhalten und hohe Behandlungskosten wie Stammzelltransplantationen vermeiden, die in Deutschland bei bis zu mehreren hunderttausend Euro liegen können.

          Gilead verweist für „Yescarta“ auf eine Studie, nach der bei der Hälfte der Patienten, die einmal eine Infusion mit den gentechnisch veränderten Zellen erhalten hatten, der Lymphdrüsenkrebs später nicht mehr nachweisbar war.

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