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Neue Medikamente : Hoffnung auf Krebsheilung für 400.000 Euro

  • -Aktualisiert am

Kosten könnten sinken

Schon das Produktionsverfahren für die neuen Arzneien sei extrem aufwendig, sagt Thomas Taapken, Vorstand der Medigene AG. Sein Unternehmen befasst sich mit dieser Art „personalisierter Medizin“. Körperzellen müssen entnommen, in einem aufwendigen technischen Verfahren „umprogrammiert“ werden, dann wieder in die Klinik gebracht und dem Patienten mit einer Infusionslösung verabreicht werden. Auf Dauer erhofft sich Taapken Kostenersparnisse durch technischen Fortschritt und Automation.

Die Krankenkassen verfolgen das Thema aufmerksam, nicht nur, aber auch wegen der potentiell hohen Kosten. Noch ist die Zahl der Patienten, die mit den neuartigen Verfahren behandelt werden könnten, klein. Bei diesem Lymphdrüsenkrebs schätzt Gilead die Zahl der jährlich in Deutschland zu Behandelnden auf 800. Von Novartis’ neuer Blutkrebs-Therapie könnten hierzulande etwa 150 junge Menschen im Jahr profitieren.

Alternative: Bezahlung je nach Behandlungserfolg

Doch sollten die Erfolge durchschlagend und die Nebenwirkungen beherrschbar sein, dürften solche Therapien auch in früheren Behandlungsstadien eingesetzt werden. Das würde die Zahl der Behandlungen stark ausweiten. Auch werden viele neue Therapien auf Basis „umprogrammierter“ körpereigener Zellen entwickelt. Mit mehr Fällen und mehr Krankheitsbildern könnte ein Kostenschub auf die Kassen zukommen – auf der anderen Seite könnten sie viel Geld für weniger taugliche Behandlungen sparen. Solch eine – reine finanzielle – Rechnung birgt derzeit viele Unbekannten.

Novartis hat vor dem Hintergrund in Amerika bereits angeboten, die Bezahlung am Behandlungserfolg auszurichten: „Pay for performance“. Die Frage, ob der Konzern darauf auch in Deutschland setzt, blieb unbeantwortet. Der Spitzenverband der Kassen erklärte, man warte ab, ob solche Modelle von den Unternehmen auch für den deutschen Markt erwogen würden „und wie sie im System der gesetzlichen Krankenversicherung ausgestaltet werden könnten“.

Eile ist geboten

Denn hier liegen Tücken im System. Wie und wann misst wer den Therapieerfolg? Die individualisierte Erstattung sei „keine universelle Systemalternative für die Zukunft, sondern könnte eher eine interessante Ergänzung zum heutigen Preissystem sein“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller, Birgit Fischer. Personalisierte Zelltherapien wie die nun vor der Zulassung stehenden für bestimmte Untergruppen der Leukämien und Lymphome seien dafür jedoch geeignet. Solche Verträge müssten dann zwischen einzelnen Kassen und Herstellern geschlossen werden.

Einstweilen aber müssen die Kliniken, die ihre Patienten nach den neuen Verfahren behandeln wollen, die Kostenübernahme durch die Kasse vorab beantragen. So lange, bis die in die Fallpauschalen der Kliniken aufgenommen seien, könne man nicht warten, sagte einer, der mit dem Verfahren vertraut ist. „So lange würden die Patienten nicht überleben.“

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