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Bürgerdebatten in der Provinz : „Schande über dich, Macron“

Präsident Macron redet - und die anderen hören zu. Der französische Präsident bei einer Veranstaltung in Etang-sur-Arroux im Rahmen der „nationalen Bürgerdebatte“. Bild: AFP

Der französische Präsident kämpft in Bürgerdebatten um Beruhigung im Land. Doch kann er die Erwartungen erfüllen? Ein Besuch in der Kleinstadt Beynes.

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          Etwa 100 Bürger sind gekommen, die meisten grauhaarig, doch auch einige zwischen Mitte dreißig und fünfzig, Jüngere dagegen kaum. Der Bürgermeister der Kleinstadt Beynes, 7500 Einwohner, westlich von Paris, hat in ein Kulturzentrum eingeladen. Jeder habe zwei Minuten, um seine Meinung zu sagen, erklärt die vom Bürgermeister bestellte Moderatorin, die er als „neutral“ bezeichnet. Das Mikrofon beginnt zu kreisen. „Wir müssen über die Kaufkraft reden, alles wird teurer. Ich bin für eine Koppelung der Renten an die Inflation“, sagt ein älterer Herr. „Ich finde, der öffentliche Dienst ist leider nur noch über das Internet zu erreichen. Wir brauchen wieder Schalter mit Menschen dahinter“, fordert eine ältere Dame. Im nächsten Redebeitrag werden die gekürzten Öffnungszeiten der Post beklagt, danach die mangelnde Polizeipräsenz im Ort sowie der schlechte Zustand der Krankenhäuser.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Ein Land spricht sich aus, es geht in sich, möchte herausfinden, was es will. Jeder soll zu Wort kommen, alle werden angehört – das ist das Versprechen von Emmanuel Macron in Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten“, jener bis heute schwer definierbaren Wutbürgergruppe, die Frankreich seit dem vergangenen November in Atem hält. Ihre Demonstrationen werden inzwischen zwar nur noch spärlich besucht, die schlimmsten Gewaltorgien der Randalierer haben aufgehört, doch die „Gelbwesten“ haben „le grand débat national“ hinterlassen – jene Aussprachen im ganzen Land, die zwischen Mitte Januar und Mitte März die Franzosen mit sich versöhnen sollen. Meistens werden sie von Bürgermeistern organisiert, doch auch Privatleute dürfen einladen, es gab schon eine Debatte in einem Hochgeschwindigkeitszug, nächste Woche findet eine in einem Krankenhaus statt. 1800 Debatten wurden bisher abgehalten, 3400 weitere sind in Planung, berichtet eine von der Regierung einberufene Kommission.

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