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Legaler Handel : Kanada kifft

Die aufblühende Knospe einer Marihuanapflanze Bild: dpa

Kanada gibt als erstes großes Industrieland Marihuana als Genussmittel frei. Die Branche hofft auf ein Milliardengeschäft – und die Börse ist im Rausch.

          An diesem Mittwoch ist es so weit: Als erste große Industrienation wird Kanada Marihuana als Genussmittel freigeben. Produktion, Verkauf, Besitz und Konsum der Substanz sind damit nicht mehr nur wie bisher für medizinische Zwecke freigegeben. Nun darf offiziell im ganzen Land zum reinen Vergnügen gekifft werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Damit hat Kanada seinem südlichen Nachbarn etwas voraus. In den Vereinigten Staaten ist Marihuana bislang zwar in Kalifornien und gut einem halben Dutzend anderer Bundesstaaten ein legales Genussmittel, auf Bundesebene bleibt es allerdings verboten. Als einziges Land der Welt ermöglichte bislang Uruguay freien Marihuanakonsum.

          Kanada wird der Legalisierungsbewegung freilich einen viel größeren Schub geben. In der Branche wird damit gerechnet, dass hier das jährliche Marktvolumen für legal als Genussmittel verkauftes Marihuana fünf Milliarden amerikanische Dollar oder mehr erreichen könnte.

          Entsprechend herrscht in der Branche Goldgräberstimmung. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur „Associated Press“ dürften zum Start am Mittwoch mehr als 100 Verkaufsstellen für Marihuana geöffnet sein. Nimmt man die Erfahrungen bei der Freigabe in amerikanischen Bundesstaaten wie Kalifornien als Anhaltspunkt, könnte es vor den Geschäften lange Schlangen geben. Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten Jahren Hunderte weiterer spezialisierter Läden hinzukommen. Die kanadische Regierung hat 120 Lizenzen zum Anbau von Cannabispflanzen an Unternehmen vergeben. Aus den Blüten und Blättern dieser Pflanzen wird Marihuana gewonnen.

          Nicht alles ist erlaubt

          Wer sich jetzt in Kanada legal berauschen will, sieht sich freilich noch immer einigen Restriktionen gegenüber. Beispielsweise sind die in amerikanischen Bundesstaaten wie Kalifornien beliebten „Edibles“, also mit Cannabis versetzte Lebensmitteln wie Schokolade oder Kekse, vorerst weiterhin nicht erlaubt, Gleiches gilt für cannabishaltige Getränke. Deren Legalisierung könnte im nächsten Jahr kommen. Die einzelnen Provinzen, in deren Verantwortung die Bundesregierung den Vertrieb von Marihuana gelegt hat, können zudem ihre eigenen Regeln festlegen.

          Während auf Bundesebene zum Beispiel ein Mindestalter von 18 Jahren für den Besitz von Marihuana angesetzt wurde, sind es in mehreren Provinzen 19 Jahre. Und obwohl Kanadiern auf Bundesebene erlaubt wird, bis zu vier Cannabispflanzen zuhause anzubauen, bleibt das in einigen Provinzen verboten. Die Provinzen agieren als Großhändler und zum Teil auch als Einzelhändler für Marihuana. Sie kaufen die Substanz von den Produzenten und geben sie dann an private Händler weiter, einige von ihnen werden auch ihre eigenen Geschäfte eröffnen. In der Hand der Provinzen liegt auch der Online-Vertrieb, der es Kanadiern ermöglichen wird, Marihuana im Internet zu bestellen und per Post nach Hause geliefert zu bekommen.

          Schwarzmarkt und Steuereinnahmen

          Mit der Freigabe von Marihuana hofft die kanadische Regierung, den Schwarzmarkt für Marihuana lahmzulegen. Sie verspricht sich freilich auch Steuereinnahmen. Auf Bundesebene soll auf jedes Gramm eine Steuer von mindestens einem Dollar erhoben werden, wobei davon ein Teil an die Provinzen weiterfließen soll. Dazu kommen lokal variierende Umsatzsteuern.

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