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Lange Wartezeiten : Stau auf dem Bauamt

  • -Aktualisiert am

Neubauten in Hamburg Bild: dpa

Der Personalengpass in Behörden lässt sich nicht leicht lindern. Doch er muss angegangen werden, damit in Deutschland endlich wieder schneller gebaut wird.

          3 Min.

          Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein? Von wegen! Vom Absegnen des Grundrisses bis zum Schnaps auf dem Richtfest kann es schon dauern. Ein Hausbauer benötigt nicht nur Grundstück, Kapital und Bauarbeiter, sondern vor dem Spatenstich die Genehmigung aus dem Bauamt – und darauf muss immer länger gewartet werden. Denn der öffentliche Dienst hinkt dem Bauboom hinterher. Das Warten auf die Genehmigung verzögere manches Bauprojekt um bis zu zwei Jahre, ist aus der Bauindustrie zu hören.

          In der Verwaltung arbeiten zu wenige Menschen, um die vielen Bauanträge auch rasch zu bearbeiten. Der Beamtenbund DBB rechnet damit, dass derzeit 140.000 Angestellte und Beamten in kommunalen Behörden und Einrichtungen fehlen. Was das bedeutet, spüren Hausbauer beim Gang auf das Amt. Bundesweit sank die Zahl der mit Baufragen befassten Angestellten in den Kommunalverwaltungen zwischen 1991 und 2010 um etwa 35 Prozent. Bis 2015 ging sie nochmals um fast zehn Prozent zurück.

          Seither sind allerdings immer mehr Bauvorhaben geplant worden als noch in den neunziger Jahren, was mit der wachsenden Nachfrage in den Ballungsräumen zusammenhängt. Die Behörden brauchen eigentlich mehr Mitarbeiter, doch der Personalengpass lässt sich kaum rasch beheben. Gutes Personal ist schwer zu finden – wer qualifiziert ist, hat momentan genügend Alternativen zum öffentlichen Dienst und kann selbständig arbeiten oder in einem Bauunternehmen oft mehr verdienen.

          Warten auf die digitale Verwaltung

          Nicht nur deswegen müssen die Prozesse in den Verwaltungen besser ablaufen. Wo noch immer ausgefüllte Formulare und ausgedruckte Anträge durch Amtsstuben wandern, lässt sich selten schnell arbeiten. Ein Gutachten des Normenkontrollrats beziffert das Sparpotential durch Digitalisierung auf etwa 25 Prozent. So kann der Aufwand in den Verwaltungen sinken, wenn ein Internetportal Antragsteller über die Gesetze gut informiert und damit die Zeit für persönliche Beratung verringert. Intelligente Formulare können vorab Fehler aufspüren und Nachfragen vermeiden, viele Schritte können automatisiert werden oder mit Computerunterstützung erfolgen. Dafür fehlen neben der Software aber auch teilweise rechtliche Voraussetzungen, wenn etwa ein Bauantrag unterschrieben und ausgedruckt eingereicht werden muss. In manchen Bundesländern gibt es dazu Pilotversuche, in anderen ist es schon besser und schneller möglich.

          Hingegen haben zusätzliche Vorschriften die Bauverfahren aufwendiger gemacht, was zum Stau auf dem Bauamt beiträgt. Das eröffnet Möglichkeiten zur Beschleunigung der Verfahren. Nötig ist die Überprüfung der Regeln. Was ist überflüssig, wo gibt es Vereinfachungspotential. Vor allem aber sollte die Politik mit weiteren Vorschriften vorsichtig sein. Der neue Mietendeckel in Berlin wird für zusätzlichen Verwaltungsaufwand sorgen, ohne dass dafür mehr Wohnungen entstehen.

          Um den Wohnungsbau zu beschleunigen, sollten Verwaltungen überlegen, welche Prozesse sich auf dem Weg zur Baugenehmigung auslagern lassen, um Zeit und Aufwand zu sparen. Solche Aufgaben könnte eine Organisation des Bundeslandes übernehmen, um lokale Behörden zu entlasten, oder mehrere Gemeinden bauen einen Pool von Mitarbeitern zusammen auf und nutzen diesen gemeinsam für festgelegte Aufgaben.

          Viele gehen bald in den Ruhestand

          Die öffentlichen Arbeitgeber müssen sich beeilen, um genügend Personal in den Baubehörden zu beschäftigen, deren Arbeit zu digitalisieren und die Prozesse in den Amtsstuben zu vereinfachen. In Zukunft wird es in den Amtsstuben schließlich leerer, wenn viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in den Ruhestand gehen. Jeder vierte Staatsbedienstete ist älter als 55 Jahre und wird damit in rund zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Damit werden 1,3 Millionen Angestellte und Beamte ersetzt werden müssen.

          Nach einer Prognose der Beratungsgesellschaft PWC werden im Jahr 2030 rund 816.000 Fachkräfte im öffentlichen Dienst fehlen, davon sind 151.000 Verwaltungskräfte. Umso mehr braucht es auch Platz für ältere Mitarbeiter in den Behörden, die eigentlich in den Ruhestand gehen könnten. Beschäftigte büßen ihr Wissen über Behördenabläufe und Baugenehmigungen ja nicht plötzlich ein, sondern sollten den Ruhestand verschieben können, um auch während der Rente und Pension in den Behörden zu helfen. Darauf müssen sich staatliche Institutionen in Baubehörden und auch außerhalb davon öfter einlassen, wofür zudem ein attraktives Arbeitsumfeld mit Teilzeit oder Heimarbeit hilfreich ist. Die Zeit drängt. Politiker und Verwaltungen müssen den Ideen schnell erste Schritte folgen lassen. Sonst wird ein Hausbau noch länger dauern als bisher.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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