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Patientenbesuche : Das Leid der Landärzte

Gefährdete Zuwendung: Landärztin Silvia Steinebach besucht eine Patientin in einem Alters- und Pflegeheim Bild: Rainer Wohlfahrt

Einige Mediziner in Hessen sollen viel Geld zurückzahlen, weil sie Patienten besonders häufig zu Hause behandeln. Für den Nachwuchs haben sie deshalb einen einfachen Rat.

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          Es gibt ein paar Dinge, die sind für Silvia Steinebach selbstverständlich. Zum Beispiel, dass sie unheilbar kranke Patienten, so gut es geht, zu Hause versorgt. „Niemand will im Krankenhaus sterben“, sagt die Landärztin aus Hainzell, einem kleinen Ort in der Nähe von Fulda. Wenn jemand an einer Herz- oder Niereninsuffizienz leidet und die Wohnung kaum noch verlassen kann, fährt sie hin. Finanziell lohnt sich das nicht, nur 35,80 Euro kann sie für einen Hausbesuch abrechnen. Bliebe sie in der Praxis, könnte sie in der gleichen Zeit deutlich mehr verdienen. Doch Silvia Steinebach sagt, sie wolle die alten Menschen nicht einfach sich selbst überlassen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Vor einiger Zeit bekam die 40 Jahre alte Ärztin nun Post von der Prüfstelle der Ärzte und Krankenkassen in Hessen. Sie kontrolliert, ob die Ärzte wirtschaftlich arbeiten, ob also die Art, wie sie ihre Patienten behandeln, und die Medikamente, die sie verschreiben, „notwendig und zweckmäßig“ sind – so steht es im Gesetz. Schließlich geht es um das Geld der Solidargemeinschaft der Versicherten. Silvia Steinebach muss jetzt schriftlich begründen, warum sie viel häufiger häusliche Sterbebegleitung macht als der Durchschnitt aller Mediziner in Hessen. Überzeugt ihre Stellungnahme nicht, wird sie einen Teil ihres Honorars zurückzahlen müssen. „Ich liebe das Landleben, und ich hänge sehr an meinen Patienten“, sagt sie. Doch ob sie nach alldem in Hainzell bleiben wird, weiß sie noch nicht.

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