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Bankpleiten befürchtet : Land-Enteignungen könnten Südafrika teuer zu stehen kommen

  • Aktualisiert am

Die Struktur von Südafrikas Landwirtschaft ist problematisch. Bild: AFP

Der regierende ANC will die Umverteilung von Agrarland beschleunigen. Notfalls soll enteignet werden, ohne Entschädigungen zu zahlen. Doch die staatliche Landwirtschaftsbank warnt vor den Folgen.

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          Der seit dem Ende der Apartheid Südafrika regierende ANC ist unzufrieden mit dem Tempo der Umverteilung von Land. Daher hat er im Dezember beschlossen, die Verfassung zu ändern, um der schwarzen Bevölkerung schneller zu Land zu verhelfen und Enteignungen ohne Entschädigung möglich zu machen. Letztlich soll dadurch auch die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigt werden und die Landwirtschaft mehr produzieren, äußerten sich Vertreter der ANC im Juli. Doch die kostenlose Enteignung könnte am Ende teuer werden.

          Die staatliche Landwirtschaftsbank warnt jetzt, dass eine solche Enteignung die Regierung 41 Milliarden Rand (rund 2,5 Milliarden Euro) kosten könnte. Die Bank hat rund neun Milliarden Rand geliehen, deren Verträge eine Standardklausel enthalten, wonach Enteignungen als Zahlungsausfall gelten, schreibt der Aufsichtsratsvorsitzende Arthur Moloto laut Nachrichtenagentur Bloomberg im Jahresbericht des Unternehmens.

          Im Handumdrehen zahlungsunfähig

          Wenn der Bank durch entschädigungslose Enteignungen nun Verluste entstünden, müsste sie diese neun Milliarden Rand sofort zurückzahlen. Dazu wäre sie womöglich nicht in der Lage, was wiederum einem Zahlungsausfall für die übrigen 32 Milliarden Rand an Schulden wäre, die dann ebenfalls sofort fällig würden. In diesem Fall wäre die Bank zahlungsunfähig und ihre Schulden würden auf den Staat als Eigentümer zurückfallen.

          Hinzu kommt, dass südafrikanische Geschäftsbanken Ende 2016 weitere fast 90 Milliarden Rand an Landwirtschaftskrediten gewährt hatten. Eine entschädigungslose Enteignung könnte dazu führen, dass Investoren nicht nur der Land Bank kein Geld mehr geben würden, sondern auch der Landwirtschaft insgesamt, so Moloto. Falls doch, dann mit entsprechend höheren Risikoprämien.

          Zu den Gefahren einer misslungenen Enteignung zählt er eine Einstellung der Produktion auf dem Land, eine Enteignung der Gläubiger, eine schlechte Auswahl und Unterstützung der Begünstigten sowie Korruption im Allgemeinen. In Simbabwe ging der Großteil der landwirtschaftlichen Fläche im Wege der entschädigungslosen Enteignungen seinerzeit an Parteifreunde von Präsident Mugabe. Das führte zu deutlich weniger Produktion: In den 2000er Jahren schrumpfte diese um 70 Prozent.

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