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Kuba ohne Castro : Mit Ballast in eine neue Phase

Kronprinz und Herrscher: Kubas Vizepräsident Miguel Diaz-Canel neben Präsident neben Präsident Raul Castro in Havanna. Bild: AFP

Die Abdankung des letzten lebenden Revolutionshelden Raul Castro zugunsten des Provinzpolitikers Diaz-Canel ist eher ein symbolischer Akt. Die Kubaner kämpfen mit Hungerlöhnen, staatlicher Nomenklatura und stagnierenden Reformen.

          Vor  57 Jahren begann eine vom amerikanischen CIA zusammengestellte Truppe aus rund 1300 Exilkubanern mit Unterstützung der amerikanischen Luftwaffe die berüchtigte Invasion auf Kubas Schweinebucht. Der Angriff endete aus Perspektive der Invasoren und der Einfädler in amerikanischen Regierungskreisen in einem doppelten Desaster. Die Angreifer mussten nach drei Tagen aufgeben und endeten zum großen Teil in kubanischen Gefängnissen. Zugleich wuchs auf der Insel der Ruhm und die politische Legitimation des Mannes, unter dessen Führung die Invasoren in die Schranken gewiesen wurden: Fidel Castro.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der ehemalige Revolutionär bestimmte die Geschicke Kubas als Premierminister, Präsident und Chef der Kommunistischen Partei und des Militärs 52 Jahre lang. Ihm folgte vor zwölf Jahren sein Bruder Raul im Präsidentenamt und in der Parteiführung nach. Dessen Präsidentenamt endet in dieser Woche, die wichtigeren Führungspositionen in Partei und Militär bleiben ihm aber noch erhalten.

          So ist die Abdankung eines der letzten lebenden so genannten Revolutionshelden vom Präsidentenamt zu Gunsten des Provinz-Apparatschiks Miguel Diaz-Canel Bermudez eher ein symbolischer Akt, dessen historische Bedeutung vielen Kubanern ohnehin ziemlich egal sein dürfte. Sie interessieren sich statt für alte Heldengeschichten vielmehr für ihre ökonomischen Perspektiven. Und in dieser Hinsicht waren Raul Castros  Regierungsjahre eine herbe Enttäuschung, wie Richard Feinberg, Professor für internationale Beziehungen und Forscher an der linksliberalen Brookings-Denkfabrik, ausführt.

          Nahrungsmittelknappheit und Hungerlöhne

          Grundnahrungsmittel und Benzin sind notorisch knapp und werden immer wieder rationiert. Der größte Arbeitgeber bleibt die öffentliche Hand, die allerdings in der Regel Löhne zahlt, mit denen die Familien ihre täglichen Grundbedürfnisse nicht decken können. Die Leute werden in die Schattenwirtschaft gezwungen, weil selbst die staatlichen Subventionen für wichtige Lebensmittel und Energie nicht reichen, damit genug zum Leben bleibt. Viele gut ausgebildete Kubaner verlassen die Insel, versorgen ihre zurückgebliebenen Familien mit Geldsendungen und lassen eine immer schlechter qualifizierte Arbeitnehmerschaft zurück.

          Die Realität einer Wirtschaft, in der die staatliche Nomenklatura die mitspielenden Akteure, die Regeln, die Verteilung der Ressourcen und der Preise weitgehend bestimmt, ist düster, wie globales Erfahrungswissen nun doch zur Genüge belegt hat. Eine der Erkenntnisse aus planwirtschaftlichen Experimenten ist, dass die meisten Unternehmen und Branchen notorisch unterinvestiert und damit nicht besonders produktiv sind.  

          Kuba liefert genügend Beispiele. Die Rückständigkeit lässt sich an einer Zahl festmachen: Immer noch arbeiten nach letzten Weltbank-Zahlen knapp 13 Prozent der Kubaner in der Landwirtschaft, ein Indiz für geringe Rationalisierungsfortschritte in dem Sektor. Obwohl die Zahl der Landarbeiter und Farmer hoch und das Land fruchtbar ist, importiert das Nahrungsmittel in großem Stil. Eine Reform der Landwirtschaft, die kleine Parzellen ungenutzten Staatslandes und unproduktiver Genossenschaften privaten Pächtern überließ, brachte nicht die erhoffte Entlastung. Die privaten Bauern hatten vor allem schlechtes Ackerland bekommen. Und es fehlt Geld zum Investieren. Wer durch Kuba fährt, sieht immer noch Ochsen und Pferde, die Pflüge über den Acker ziehen. Der Zustand der Landwirtschaft sei erbärmlich, sagt Feinberg. Selbst beim für den Export wichtigen Zucker und Tabak fallen die Ernten niedriger aus als Mitte der achtziger Jahre.

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