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Einbürgerung in Österreich : Pass gegen Geld

Die russische Sopranistin Anna Netrebko zählt zu den Besitzern eines wegen außerordentlichen Leistungen verliehenen österreichischen Passes. Bild: dpa

In Österreich wird die Staatsbürgerschaft auch wegen außerordentlicher Leistungen zuerkannt. Auf dem normalen Weg sind die Hürden größer – das Verfahren willkürlich und intransparent.

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          Georg Baselitz ist eingebürgerter Österreicher. Dem berühmten Maler aus dem sächsischen Deutschbaselitz wurde wegen außerordentlicher Verdienste vor drei Jahren die Staatsbürgerschaft verliehen. Als ein international und für die österreichische Kunst bedeutender und wirkungsmächtiger deutscher Maler, Zeichner und Bildhauer habe es Baselitz verdient, die österreichische Staatsbürgerschaft für außerordentliche Leistungen verliehen zu bekommen, begründete der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer die Verleihung. Baselitz habe in den vergangenen Jahrzehnten großen Einfluss auf die österreichische und internationale Malerei gehabt. Zudem sei seine großzügige Rolle für Österreichs Museen bedeutend. Viele Museen verdanken Baselitz eine beachtliche Anzahl großzügiger Schenkungen von Zeichnungen, Aquarellen und wertvoller Unikat-Zustandsdrucken.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Baselitz ist einer von wenigen im Interesse der Republik Eingebürgerten. Diese müssen besondere Verdienste vorweisen. Möglich macht dies der Paragraph 10 Absatz 6 des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes, der im Verfassungsrang steht und daher nur mit Zweidrittelmehrheit geändert werden kann. Wer auf diese Weise Österreicher wird, hat Vorteile: Schließlich muss der Betreffende im Gegensatz zu gewöhnlichen Zuwanderern keine Aufenthaltsdauer im Inland und keinen gesicherten Lebensunterhalt vorweisen. Er darf seine bisherige Staatsbürgerschaft beibehalten. Überdies muss er keine Deutschkenntnisse und auch nicht solche der demokratischen Ordnung, der Geschichte Österreichs und des jeweiligen Bundeslandes nachweisen. Dafür bekommt er einen österreichischen Reisepass. Der garantiert nicht nur volle Bewegungsfreiheit und wirtschaftliche Rechte in der gesamten Europäischen Union, sondern auch visafreie Einreise in viele Drittstaaten. Außerdem erhält der Neo-Österreicher das Recht, an Wahlen teilzunehmen. Dies gilt auch dann, wenn er sich entschließt, seinen dauerhaften Wohnsitz anderswo zu behalten. Schließlich kann er die Staatsbürgerschaft samt Wahlrecht auch noch an seine im Ausland geborenen Kinder und Enkel unbegrenzt weitervererben. Österreich gilt als eines der wenigen Länder, das auf diese Weise Pässe vergibt.

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