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Vor Besuch der Kanzlerin : Woran Afrika wirklich leidet

Passanten laufen in Senegals Hauptstadt Dakar am Präsidentenpalast vorbei, wo am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel erwartet wird. Bild: AFP

Noch immer wird Afrika von Misswirtschaft, Korruption und maroder Infrastruktur zurückgehalten – trotz Hunderter Milliarden Dollar Entwicklungshilfe. Vor dem Besuch der Kanzlerin wird klar: Die Regierungen müssen selbst anfangen zu handeln.

          Die allermeisten Länder Afrikas sind bitterarm. Auch politisch korrekte Beschönigungen Afrikas als „Zukunftskontinent“ helfen nicht gegen den tristen Befund. Die Wirtschaft wächst zu langsam. In den kommenden Jahren werden jeweils 4 Prozent Anstieg der Wirtschaftsleistung erwartet. Viel zu wenig angesichts von 2,5 Prozent Bevölkerungswachstum, das einen Großteil der Fortschritte auffrisst. Auch wenn der Anteil der absolut Armen zurückgeht: Etwa eine Viertelmilliarde Menschen in Subsahara-Afrika sind unterernährt.

          Wenn Kanzlerin Angela Merkel diese Woche drei westafrikanische Länder – Senegal, Ghana und Nigeria – besucht, lautet das Hauptthema Fluchtursachen bekämpfen. Drei Jahre nachdem die Kanzlerin mit ihrer Grenzöffnung im September 2015 den Massenzustrom nach Europa verstärkte, ist die deutsche und europäische Politik von der Angst vor einer neuen Völkerwanderung aus Afrika erfasst. Umfragen in afrikanischen Ländern zeigen, dass ein Drittel bis die Hälfte der jungen Leute vom Auswandern träumen. Zu schlecht sind die heimischen Bedingungen.

          Große chinesische Investitionen

          Die allerärmsten Länder wie Niger in der Sahelzone, Eritrea oder die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika kommen nur auf wenig mehr als 400 Dollar Bruttoinlandsprodukt je Kopf im Jahr. Und das, obwohl beispielsweise der Kongo voller wertvoller Rohstoffe ist. Die Gewinne wandern in wenige Taschen von korrupten Eliten.

          Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze von nur 1,90 Dollar am Tag. In Westafrika liegt das Einkommen je Einwohner in den meisten Ländern bei 2000 bis 3000 Dollar im Jahr, in Ostafrika etwas darüber. Einige nordafrikanische Länder kommen auf 5000 Dollar, doch bei einer chronischen Jugendarbeitslosigkeit von 30 Prozent macht sich Hoffnungslosigkeit breit.

          Korrupte Herrscher, bestechliche Bürokraten, Misswirtschaft und sozialistische Experimente, marode Infrastruktur und geringe Bildung machen einen Cocktail aus, der die Entwicklung erschwert oder ganz verhindert. Eigentlich wäre Afrika ein Kontinent mit vielen Chancen und Potentialen: reich an Bodenschätzen, mit riesigen fruchtbaren Flächen und einer jungen, dynamischen Bevölkerung. Aber es gibt nur wenige Bespiele für gute Regierungsführung.

          Eines ist das Diamantenland Botswana, das sich durch politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, Bildungsinitiativen für die Bevölkerung und attraktive Rahmenbedingungen für Investoren auszeichnet. Oder der Kleinstaat Ruanda, den Paul Kagame durch wirtschaftsfreundliche Reformen attraktiv gemacht hat.

          Äthiopien könnte eine Wende zum Besseren nehmen, nachdem der junge Regierungschef Abiy Ahmed Oppositionelle aus dem Gefängnis entlassen hat und Frieden mit den Nachbarländern anstrebt. China hat in Äthiopien durch große Infrastrukturinvestitionen und Fabrikgründungen einen Wirtschaftsaufschwung angeschoben, der sich sehen lassen kann.

          Wo Licht ist, ist auch Schatten

          Dann gibt es aber auch hoffnungslose Fälle wie Zimbabwe unter seinem Langzeitdiktator Robert Mugabe, den die Afrikanische Union noch 2016 zum Vorsitzenden wählte; der Nachfolger Mnangagwa hat ebenfalls Blut an seinen Händen kleben. Im Kongo haben der korrupte Despot Joseph Kabila und seine Familie sich ein Vermögen im Wert von Zigmillionen Dollar mit Beteiligungen an Gold- und Diamantminen unter den Nagel gerissen, während die Kindersterblichkeit zu den höchsten auf der Welt zählt.

          In Angola und Nigeria, die ebenfalls unter dem Ressourcenfluch leiden, der zu extensiver Korruption führt, versuchen die aktuellen Staatschefs aufzuräumen. Gegen die korruptesten Politiker der Vorgängerregierungen wird ermittelt, etwa Nigerias Ex-Ölministerin Diezani Alison-Madueke. Die angolanische Kleptokratenfamilie Dos Santos wird aus Schlüsselpositionen in Staatsfonds und Staatswirtschaft herausgedrängt.

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          Es ist richtig, dass Deutschland versucht, Partnerschaften mit Ländern mit halbwegs guter Regierung zu schließen, damit sich mehr private Investoren dorthin trauen. Die ersten Partnerländer sind Elfenbeinküste, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien. Allerdings fehlt eine abgestimmte deutsche Entwicklungspolitik. Gleich drei Ministerien haben Pläne mit teils hochtrabenden Namen („Marshallplan“) vorgestellt. Nach den Ankündigungen stockt die Umsetzung.

          Bislang sind deutsche Unternehmen sehr zögerlich in Afrika. Nur 10 Milliarden Euro – ein Prozent aller deutschen Direktinvestitionen auf der Welt – haben sie dort eingesetzt. Berlin sollte überlegen, verbesserte Instrumente zur Risiko-Absicherung zu schaffen, um Investoren anzuregen.

          Aber die Hauptarbeit können nur die afrikanischen Regierungen leisten. Sie müssen die Rahmenbedingungen verbessern. Über die Jahrzehnte sind Hunderte Milliarden Dollar westliche Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen. Die Ergebnisse waren enttäuschend. Soll sich wirklich etwas verbessern, kann dies nur durch gesicherte Rechte für Investitionen geschehen. Dass sich nun Südafrika eine Diskussion über entschädigungslose Enteignung weißer Farmer leistet (wie einst in Zimbabwe?), ist natürlich Gift für das Werben um Investoren.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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