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Wirtschaftsnobelpreis : Ein denkwürdiger Preis

Die Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises werden in Stockholm verkündet. Bild: dpa

Die Auszeichnung für die drei Entwicklungsökonomen ist hoch verdient. Sie arbeiten seit Jahren daran, die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe zu überprüfen – und bieten echte Lösungen zu realen Problemen.

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          Helfen sie nun oder helfen sie nicht, die Milliarden, die westliche Länder Jahr für Jahr locker machen, um sie in Entwicklungsprojekte in den ärmsten Regionen der Welt zu stecken? Eine Debatte darüber mündet meistens in einen Glaubensstreit. Wirklich überprüfen lässt sich die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe nur schwer. Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer arbeiten seit Jahren daran, mehr Fakten in die Debatte zu bringen. Für diese wichtige Forschung wurden sie jetzt mit dem Nobel-Gedächtnispreis der Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

          Die Auszeichnung für die drei Entwicklungsökonomen ist hoch verdient. Ihre Arbeiten sind keine schwer zugänglichen Abhandlungen voller mathematischer Formeln, die nur eine Handvoll anderer Forscher versteht. Sie demonstrieren seit Jahren, dass die Wirtschaftswissenschaft echte Lösungen zu realen Problemen geben kann. In einer Zeit, in der gerade Ökonomen mit dem Vorwurf kämpfen, sie könnten vor lauter Formeln und Modellen die Wirklichkeit nicht mehr erkennen, ist der Preis das richtige Signal.

          Kleiner Wermutstropfen der Entscheidung

          Bemerkenswert ist auch, dass die Französin Duflo den Preis trotz ihres vergleichsweise jungen Alters erhält. Seit 1969 wird der Preis vergeben, im Schnitt waren die Laureaten 69 Jahre alt. In der Vergangenheit hat die Akademie also in der Regel ein Lebenswerk geehrt. Dass Duflo die Auszeichnung schon mit 46 Jahren erhält, macht umso deutlicher, wie bahnbrechend ihre Arbeiten sind.

          Nur einen Wermutstropfen hat die Entscheidung der Stockholmer Akademie der Wissenschaften. In seiner Erklärung am Montag unterstrich der Generalsekretär der Akademie, Duflo erhalte den diesjährigen Preis nicht, weil sie eine Frau sei, sondern wegen ihrer Forschung. Das war ungelenk und überflüssig. Sicher, wenn in fünfzig Jahren 84 Forscher den Preis erhalten haben, und Duflo erst die zweite Frau ist, der diese Ehre zuteil geworden ist, dann ist das auf eine negative Weise bemerkenswert. Doch sagt das vor allem etwas über die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften aus.

          Die Forschungsbedingungen sind hart, das Klima ist rauh, spätestens nach der Dissertation verlassen viele Ökonominnen die Universität. Duflo aber hat sich in dieser Männerwelt einen exzellenten Ruf erarbeitet und wurde deshalb mit der höchsten Auszeichnung in ihrem Fach belohnt. Sie selbst hat die Gelegenheit genutzt, um jungen Forscherinnen Mut zu machen. Für die Vielfalt in den Wirtschaftswissenschaften wäre es schön, wenn sie auch damit Erfolg hat.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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