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Anlage in Zwentendorf : Das ist das sicherste Kernkraftwerk der Welt

Alles da, aber nie genutzt: Die Schaltzentrale in „Zwentendorf“ Bild: Christian Geinitz

1978 entschieden die Österreicher, ihr einziges AKW stillzulegen – noch bevor es überhaupt in Betrieb gegangen war. Dennoch wird die Anlage in Zwentendorf heute genutzt.

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          Heute hat die Fleischerei Höchtl in Zwentendorf Geflügel im Angebot. „Hendl ohne Innereien“ für 4,95 Euro das Kilo, „Flügerl“ für 6,25 Euro. Seniorchefin Maria Höchtl steht noch mit 72 Jahren hinter der Theke und schneidet Schnitzel zurecht. „Vom Kalb natürlich, so gehört sich das.“ Schließlich liegt Wien, das der panierten Spezialität ihren Namen gab, nur eine Stunde flussabwärts. Es kämen viele Ausflügler den Donauradweg entlang, sagt die Frau in der weißen Kittelschürze, „auch von euch da oben“. An ein Paar aus Bremen erinnert sie sich besonders lebhaft. „Die hatten Angst, weil der Weg direkt am Atomkraftwerk vorbeiführt.“ Höchtl grinst. „Dabei war das doch nie in Betrieb!“ Tatsächlich steht der Betonklotz fix und fertig eingerichtet nur einen Steinwurf von der Donau entfernt. Sogar die Brennstäbe waren schon mit einem Hubschrauber eingeflogen worden, Hunderte Mitarbeiter warteten auf ihren Einsatz. Doch dann kam alles anders. Vor genau 40 Jahren, am 5. November 1978, entschieden die Österreicher mit knapper Mehrheit, dass Zwentendorf nicht ans Netz gehen durfte. Damit war nicht nur in Niederösterreich das Schicksal der Nuklearenergie besiegelt, sondern gleich im ganzen Land.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Bis heute gibt es keinen einzigen Atommeiler, der meiste Strom stammt aus Wasserkraft. Zeitgleich mit dem Kernreaktor wurde 1978 das Donaukraftwerk in Zwentendorf fertig, als Ersatz für das AKW kamen später ein Kohlekraftwerk und eine Müllverbrennungsanlage hinzu. „Das Referendum hat nichts daran geändert, dass wir zum Energiezentrum für Niederösterreich geworden sind“, sagt Bürgermeister Hermann Kühtreiber. „Und zwar aus ungefährlichen Quellen.“

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