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John Strelecky : Vom Unternehmensberater zum Bestseller-Autor

John Strelecky Bild: Ronny Barthel

John Strelecky hat eines der erfolgreichsten Sachbücher in Deutschland geschrieben, tourt als Motivationssprecher durch die ganze Welt. Warum ist er damit so erfolgreich?

          3 Min.

          Es gibt ungewöhnliche Karrieren und Lebensläufe. Und dann gibt es die wirklich kuriosen. John Strelecky gehört zur letzten Kategorie. Strelecky arbeitete früher als Unternehmensberater in Amerika. Heute ist er Bestseller-Autor und Motivationstrainer.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In wenigen Jahren baute er um seinen Namen eine globale Marke auf, tourt mit seinem Seminarkonzept „Big Five for Life“ durch die Welt, schreibt Bücher. Sein Ziel damit: Er will den Menschen helfen, die eigenen Lebensziele zu verwirklichen.

          Nach den Verkaufszahlen seiner Bücher, macht er das sehr erfolgreich: Sein Verlag gibt an, dass alle 30 Sekunden ein Buch von ihm im deutschsprachigen Raum verkauft wird. Auch seine Seminare laufen gut: Sein Kalender ist bis Mitte 2020 mit sogenannten Workshops und Vorträgen gefüllt.

          Eine sinnvolle Arbeit

          So wie zum Beispiel auf einer Gründerveranstaltung in Wiesbaden, dort tritt Strelecky als Sprecher auf, erklärt den 5000 Besuchern sein Seminarkonzept „The Big Five for Live“. Es soll den Menschen helfen, Lebens- und Unternehmensziele zu definieren. Arbeit und persönliche Ziele sollen in Einklang gebracht werden.

          Dafür soll jeder Teilnehmer fünf Ziele definieren, die er noch im Leben erreichen möchte. Dahinter soll aber noch viel mehr stecken: Das Konzept soll beim Erkennen des eigenen Zwecks der Existenz helfen, so Strelecky.

          „Viele Menschen wünschen sich heute eine sinnvolle Arbeit“, sagt Strelecky. Doch nicht immer müssten die Ziele mit dem beruflichen Erfolg verknüpft sein. „Es ist nicht schlimm, wenn der Job nur ein Mittel zum Zweck ist.“ Dann gebe es eben andere Lebensziele. Zumindest in Wiesbaden kommt das gut an, der Vortrag wird immer wieder durch Applaus unterbrochen, ein Erfolg für Strelecky.

          In wenigen Wochen das erste Buch

          John Strelecky erzählt seine eigene Erfolgsgeschichte so: Er arbeitete vor vielen Jahren als Unternehmensberater, 10 bis 12 Stunden verbrachte er im Büro, verdiente gutes Geld. Er habe aber nie das Gefühl gehabt, sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen.

          Mit 33 Jahren kündigte er seinen Job, verkaufte seinen gesamten Besitz und ging gemeinsam mit seiner Frau auf eine neunmonatige Weltreise. Als er zurückkam, sei er ein anderer Mensch gewesen. In wenigen Wochen schrieb er sein erstes Buch „Das Café am Rande der Welt.“ So erzählt es Strelecky in jedem Interview. Vom Angestellten, zum Aussteiger, zum Coach.

          Immer mehr Menschen lassen sich von Coaches wie Strelecky beraten. Und immer mehr Motivationstrainer kommen auf dem Markt, aber nur wenige von ihnen sind so erfolgreich wie der Amerikaner. Wie beliebt Streleckys Ratschläge sind, zeigt sich auf dem Buchmarkt. Seine Bücher verkaufen sich gut, laut Bestseller-Listen sogar sehr gut: Im Jahr 2015 und 2016 war sein Taschenbuch „Das Café am Rande der Welt“ das meist verkaufte Sachbuch in Deutschland.

          Im Jahr 2017 rangierte es noch immer unter den beliebtesten Büchern in Deutschland. Sein jüngstes Werk schlug direkt auf Platz 2 in der Spiegel-Bestsellerliste auf. Offiziell stellte er es auf der Frankfurter Buchmesse vor. Auch seine Seminare sind oft ausgebucht, auf Veranstaltungen ist Strelecky gern gesehener Gast.

          Strelecky wird immer erkannt

          Selbst wenn er durch die Veranstaltungsräume in Wiesbaden läuft,  wird er immer wieder erkannt. „Kann ich mit dir ein Foto machen?“, fragt ein Teenager. Strelecky sagt niemals nein. Zugegebenermaßen ist Strelecky, den jeder mit seinem Vornamen ansprechen darf, leicht zu erkennen: Der 50 Jahre alte Autor trägt immer einen Cowboy-Hut, ganz egal wo er hingeht.

          Auch heute auf dem Podium. Den Hut habe er auf einer Reise in Peking gekauft. Der Kopfschmuck erinnere ihn an seine Abenteuer, die beste Zeit in seinem Leben.

          Solche Reiseanekdoten machen auch den Großteil seiner Bücher aus. Diese sind eine Mischung aus Roman und Sachbuch. Es geht immer um das große Ganze: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Und wie kann ich ein gutes erfülltes Leben haben? „Meine Bücher berühren viele Leser, sie geben ihnen Hoffnung“, sagt er.

          Die Erklärung ist einfach

          So einfach wie diese Erklärung klingt, ist auch die Sprache im Buch. „Um ganz wir selbst zu sein, müssen wir unser wahres Selbst zulassen. So einfach ist das. Es liegt nur an uns, wenn es schwer erscheint“, schreibt er im Vorspann.

          „Manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet, aber vielleicht am meisten braucht, findet man sich an einem unbekannten Ort wieder, mit Menschen, die man gleichfalls nicht kennt, und erfährt neue Dinge“, so der erste Satz im Hauptteil.

          Carlo Günther wundert der Erfolg von Ratgeberliteratur nicht. Er arbeitet als Geschäftsführer des PAL-Verlags und ist Experte für Ratgeber im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Wir leben in einer hochkomplexen Welt, die ständig Anforderungen an uns stellt und in der andauernd Gefahren drohen“, sagt Günther.

          Es gibt kein Geheimrezept

          Schon immer würden Menschen Rat und Unterstützung benötigen. Die Sachbuchverlage und Autoren reagierten auf die Bedürfnisse der Leser. „Viele sehnen sich nach Orientierung und nach einfachen Anleitungen, mit denen sie das Viele ordnen, strukturieren und letztlich bewältigen können“, sagt er.

          Dennoch gebe es für einen guten Ratgeber kein Geheimrezept, einige Punkte könne man trotzdem beachten. Es brauche: einen Anlass, eine persönliche Geschichte des Autors und einen guten Rat, sei dieser humorvoll oder erschütternd.

          In Streleckys Büchern und Vorträgen finden sich alles drei Punkte. Und was glaubt der Autor selbst? Sein Erfolg liege auch an der heutigen Zeit, sagt er. Immer mehr Menschen würden ihre eigene Existenz hinterfragen. „Die Menschen haben heute aber meist ein gutes Einkommen und eine hohe Bildung, deswegen kommen sie heute deutlich schneller an den Punkt, an dem sie sich diese Frage stellen.“  

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