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Internationaler Frauentag : Jetzt nicht lockerlassen, Frauen!

Die Ampelfrau gibt die Richtung vor. Bild: dpa

Der Weg zur Gleichberechtigung ist steiniger als gedacht. Viele fürchten schon den Rückschritt in alte Zeiten. Doch davon kann keine Rede sein.

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          Gut möglich, dass heute der vorerst letzte internationale Frauentag ist, an dem eine Frau an der Spitze dieses Landes steht. Oder sagen wir es präziser: Gut möglich, dass dies der letzte internationale Frauentag ist, an dem eine Frau aus der CDU an der Spitze dieses Landes steht. Die Partei ist gerade dabei, in einem erstaunlich chaotischen Prozess nach zwanzig Jahren wieder einen Mann an ihre Spitze zu hieven. Einige sehen das als Zeichen für einen Rückfall in die Rückständigkeit. Keine Frau nirgends, weder als eigenständige Kandidatin noch als Feigenblatt. (Was, nebenbei bemerkt, gar keine schlechte Ausgangsposition für den späteren Aufstieg sein muss.)

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Das kann man mit guten Gründen bedauern, schon weil die Kandidatenliste ein wenig Auflockerung gut vertragen würde. So exotisch wie mit einer Physikerin aus dem Osten wird es vermutlich nie wieder. Aber das katholische Juristen-Gespann aus Nordrhein-Westfalen, das nun zur Wahl steht, ist doch erstaunlich einförmig. Allerdings darf man nicht vergessen: Der Job des CDU-Parteivorsitzenden ist derzeit alles andere als attraktiv. Da ist das Verständnis für jeden – und jede – groß, der oder die sich nicht in dieses Abenteuer stürzen möchte.

          Lässt sich aus der Lage der CDU ein Rückschritt für die Sache der Frauen insgesamt ablesen? Keineswegs. Es ist im Grunde genommen ja keine große Überraschung, wenn die konservativste unter den großen Parteien einen Mann zu ihrem Chef kürt. Der Zug der Gleichberechtigung, so langsam er auch rollt, ist dadurch nicht aufzuhalten.

          Zu viel Potential verkümmert am Spülbecken 

          Natürlich gibt es zu wenige Frauen an der Spitze von Parteien und in Dax-Vorständen; zu viele Frauen verbringen mehr Zeit im Haushalt als im Büro, zu viel Potential verkümmert am Spülbecken. Die Wahrheit ist: Der Weg zur Gleichberechtigung ist steiniger als gedacht. Vor allem, wenn der Nachwuchs kommt. Dann merken viele Mütter, wie elegant Väter den neuen Aufgaben aus dem Weg gehen.

          Rollenbilder halten sich erstaunlich hartnäckig, auch wenn sie nicht mehr so lautstark wie früher durchgesetzt werden. Aus Dogmen werden Präferenzen, der Effekt ist ähnlich. Auf der Arbeit geben sich Männer als Frauenförderer, zu Hause als moderne Väter. Verglichen mit früher haben sie damit sogar Recht. Gemessen am hehren Ziel, ist die Geschwindigkeit der Veränderung nicht atemberaubend.

          Das liegt ganz banal auch daran, dass es Männer nicht gerade begeistert, wenn sie selbst zurückstecken sollen. Über Widerstand, so subtil er sein mag, darf man sich da nicht wundern. Das gilt sowohl für die Konkurrenz am Arbeitsplatz als auch für die Situation zu Hause. Eltern zahlen beruflich einen Preis dafür, für die Kinder früh zu Hause zu sein. Wie sie die Kosten dafür untereinander verteilen, müssen sie am Küchentisch aushandeln. Aber diese privaten Entscheidungen haben gesellschaftspolitische Auswirkungen.

          Nicht die Erfolge vergessen!

          Die Ernüchterung, die sich bei vielen Frauen darüber breit macht, sollte die Erfolge nicht verdecken: Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit führt eine junge Frau die Weltklimabewegung an. Ursula von der Leyen sitzt als neue EU-Kommissionspräsidentin fest im Sattel. Noch wichtiger sind die Bemühungen auf anderer Ebene: Konzerne, die weibliches Führungspotential aufbauen und Väter in die Elternzeit schicken.

          Und der Zeitgeist tut dazu, was er am besten kann: offensiv Druck ausüben. Auf Twitter wird zuverlässig jedes Foto eines männlich geführten Ministeriums, jedes einseitig besetzte Panel hämisch kommentiert. Gerade wurde der übergriffige Filmmogul Harvey Weinstein in einem Verfahren verurteilt, das früher angesichts der Beweislage nach aller Wahrscheinlichkeit zu einem Freispruch geführt hätte.

          Eine Welt ohne mächtige Männer wird es nicht geben. Doch Macht ist ein flüchtiger Begleiter. Wollen wir mal sehen, was passiert, wenn sich die CDU wieder einen Mann an die Spitze holt. Vielleicht bringt er die Partei wieder zurück auf Kurs. Vielleicht beflügelt er auch die Karriere einer Frau: Die Grünen hätten mit Annalena Baerbock jedenfalls eine Alternative für die Kanzlerschaft.

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