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Zinspolitik : Her mit den Schulden

  • -Aktualisiert am

Die Europäische Zentralbank testet ihre Notfallpläne, um gegen die Ausbreitung des Coronavirus vorzubeugen. Bild: dpa

In Deutschland gibt es viel Kritik an der EZB: Sie sei schuld, dass der Sparer Geld verliert. Doch eine andere Geldpolitik kann die Zinsen nicht zurückbringen. Deshalb ist der Staat am Zug. Ein Gastbeitrag.

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          Der deutsche Sparer klagt. Er möchte Geld zurücklegen, denn er sorgt sich um seine Zukunft. Wer weiß zum Beispiel, was Trump’scher Handelskrieg, Klimawandel und die dafür notwendigen wirtschaftlichen Anpassungen noch bringen? Außerdem erwartet er, länger zu leben. Auch dafür muss man sparen. Das aber ist schwierig bei historisch niedrigen Zinsen. So wird er auch noch für sein vorbildliches Verhalten bestraft. Eines immerhin macht den deutschen Sparer glücklich: Viele seiner Politiker denken genauso wie er. Auch sie sorgen sich um die Zukunft und das Älterwerden der Bevölkerung und haben sich eine Schuldenbremse in die Verfassung geschrieben, die der Finanzminister mit der schwarzen Null sogar noch zu übertreffen weiß.

          Dabei kommt dem deutschen Sparer nicht in den Sinn, dass seine Klage über die niedrigen Zinsen und sein vorbildlicher Finanzminister zwei Seiten derselben Medaille sind. Denn Ersparnisse kommen nicht von ungefähr. Den jedem Sparer muss auch ein Schuldner gegenüberstehen – außer, die Ersparnisse werden in der Produktion von Kapitalgütern angelegt. Doch die Sorgen des deutschen Sparers werden auch von seinen europäischen Nachbarn geteilt. Deshalb findet sich niemand, der sich verschulden möchte.

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