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Genehmigungspflicht verhängt : Indien schottet sich gegen chinesische Investitionen ab

Narendra Modi, Premierminister von Indien Bild: dpa

Peking soll kein Gewinner der Corona-Krise in Asiens drittgrößer Volkswirtschaft werden. Deshalb sind Käufe und Übernahmen von Unternehmen nun genehmigungspflichtig. Indien folgt damit dem Weg Australiens.

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          Die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens sperrt chinesische Investoren aus. Nachdem die chinesische Notenbank zum Ärger mancher Inder die Schwäche der Rupie und niedrige Börsenkurse nutze, um ihren Anteil an der indischen HDFC Bank aufzustocken, sind weitere Käufe und Übernahmen nun genehmigungspflichtig. Neu Delhi folgt damit dem Weg Australiens, das vor wenigen Tagen seine Zugbrücke für Chinesen hochgezogen hatte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Erst vergangene Woche hatte Oppositionsführer Rahul Gandhi eine Einschränkung billiger Zukäufe gefordert. „Die massive Verlangsamung hat viele indische Unternehmen geschwächt und sie damit zu attraktiven Übernahmezielen gemacht. Die Regierung darf keinen Ausländern erlauben, in dieser Zeit einer nationalen Krise die Kontrolle über ein indisches Unternehmen zu gewinnen“, sagt er. Chinesische Unternehmen wie Bytedance, die eine Milliarde Dollar in Indien investieren wollen, aber auch die expansiven Automobilhersteller Great Wall Motor Co Ltd oder SAIC mit seinem Tochterunternehmen MG haben großes Interesse an Investitionen in Indien gezeigt.

          18 der 30 großen Neugründungen im Technologiesektor Indiens sollen von chinesischem Geld abhängig sein. „Das Corona-Virus wird mehrere Geschäftsbereiche betreffen, insbesondere jene, die hoch verschuldet sind. Es wird Übernahmechancen in vielen Bereichen eröffnen“, sagte Vikram Doshi von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers in Indien. Erst vor zwei Wochen hatte die People’s Bank of China (PBOC) ihren Anteil der indischen Bank Housing Development Finance Corp. Ltd (HDFC) von 0,8 auf 1,01 Prozent durch Aktienkäufe im offenen Markt aufgestockt. Insgesamt sind die Auslandsinvestitionen in Indien zwischen April und Dezember vergangenen Jahres um 10 Prozent auf gut 36 Milliarden Dollar gestiegen.

          Die indische Regierung erwähnt Pekings Ausnutzen der Schwäche der Märkte anderer Länder nicht. Sie hat aber nun alle Direktinvestitionen aus Nachbarländern die automatische Genehmigung entzogen, um „Übernahmen aufgrund der guten Gelegenheit“ zu verhindern. Dabei geht es nicht etwa um Investoren aus Sri Lanka, Nepal oder Bangladesch – der Beschluss richtet sich gegen China. Seine Investitionen liegen um ein Vielfaches über jenen aus allen anderen Nachbarländern zusammengerechnet. Verhindert werden sollten feindliche Übernahmen indischer Unternehmen, die in der Krise preiswert zu haben sind.

          „Ein Land selber, das eine Landgrenze mit Indien hat, oder ein künftiger Investor aus einem solchen Land, können von nun an nur noch über den Regierungsweg investieren“, hieß es. Bislang waren Investoren aus Bangladesch oder Pakistan sowieso schon eingeschränkt; andere aus den umliegenden Ländern indes durften kaufen, solange es nicht um Sektoren wie Telekommunikation oder Häfen ging, die als strategisch betrachtet wurden und Sondergenehmigungen verlangten. Im Februar erklärten die Analysten von Gateway House, China halte derzeit Direktinvestitionen im Wert von rund 6,2 Milliarden Dollar in seinem Nachbarland. Offen ist, welchen Anteil chinesische Geldanleger über Fonds an indischen Unternehmen besitzen.

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