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85 Jahre Getränkedose : Zisch und weg!

Die Dose wird 85 Jahre alt. Bild: dpa

Die Getränkedose feiert Geburtstag. Beliebt ist sie weiterhin, am ökologischen Für und Wider der Dose scheiden sich allerdings die Geister.

          2 Min.

          Den Finger durch die Lasche, einmal ziehen und: Zisch! An diesem Freitag vor 85 Jahren feierte das Bier aus der Dose Premiere. Am 24.Januar 1935 brachte Gottfried Krueger in Amerika den ersten Gerstensaft in Weißblech-Verpackung auf den Markt. Der aus Deutschland eingewanderte Brauer wollte expandieren, und dafür waren die Dosen ideal, weil sie sich gut auf Lastwagen stapeln ließen. Mit einer Fuhre konnten die „Krueger Breweries“ fast doppelt so viel Gerstensaft in die Läden und Kneipen befördern wie in der guten alten Glasflasche.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Mit dem Krueger-Original hat die Dose, die erst in den fünfziger Jahren den Weg nach Deutschland fand, nur noch die äußere Form gemein. Rund 100 Gramm Weißblech brachte seine Erfindung anfangs auf die Waage. Heute wiegt eine 0,33-Liter-Aluminiumdose gerade mal zwölf Gramm, sagt Stephan Rösgen, Geschäftsführer des Forums Getränkedose in Köln. Rund 3,5 Milliarden Dosen sind im Jahr 2018 in Deutschland verkauft worden, ein Plus von 23 Prozent. Mehr als vier Milliarden Stück dürften es im abgelaufenen Jahr gewesen sein, schätzt Rösgen: „Der Trend geht weiter nach oben.“

          Grünen fordern „Lenkungsabgabe“

          Die deutschen Brauer sind freilich stolz darauf, dass sie ihr Bier immer noch ganz überwiegend in Glasflaschen verkaufen. „Der Mehrweg-Anteil liegt nach wie vor stabil über 80 Prozent – eine Quote, die keine andere Branche erreicht“, betont ein Sprecher des Brauer-Bundes. Aber er erwartet, dass auch der Marktanteil der Bierdose in den nächsten Jahren steigen wird. Gerade die stark wachsenden Craft-Brauereien entdecken die Dose für sich, Verbraucher vor allem aus Single-Haushalten fragen sie vermehrt nach, und der Handel stellt die platzsparenden Behältnisse gern in seine Regale. Knapp 9 Prozent des Gerstensaftes wurden im Jahr 2018 in Dosen abgefüllt, über alle Getränke hinweg waren es 8,4 Prozent, hat das Marktforschungsinstitut Nielsen ermittelt.

          Auf dem Höhepunkt im Jahr 2002 wurden in Deutschland sogar mehr als sieben Milliarden Getränkedosen verkauft. Dann kam das Zwangspfand auf Einweg-Verpackungen – und das Schicksal der Dose schien besiegelt: Ihr Absatz fiel auf nur noch 300 Millionen Stück, weil praktisch alle großen Handelsketten die Dose verbannten. Erst nach der Einführung eines vereinfachten Rücknahmesystems ging es allmählich wieder nach oben. Ob sich die Geschichte wiederholt? Unter vielen Umweltschützern ist die Dose wegen des hohen Energieverbrauchs für das Aluminium jedenfalls verpönt. Zudem widerspricht ihre Renaissance dem Wunsch der Berliner Politik, den stark gesunkenen Mehrweg-Anteil wieder nach oben zu bringen. Die Grünen fordern bereits eine zusätzliche „Lenkungsabgabe“ auf umweltschädliche Einwegverpackungen.

          Dosen statt PET-Flaschen?

          Am ökologischen Für und Wider der Dose scheiden sich die Geister. Rösgen vom Forum Getränkedose betont nicht nur den klimafreundlicheren Transport. „99 Prozent aller Dosen werden wiederverwertet. Und was recycelt wird, schont Ressourcen und Umwelt“, sagt der Dosen-Lobbyist. Kritiker stützten sich, so Rösgen, oft auf veraltete Ökobilanzen, die auch Kohlendioxid-Einsparungen im Produktionsprozess völlig ausblendeten. In Neuss steht eine der größten Recyclinganlagen.

          Der Aluminium-Konzern Hydro verarbeitet dort jedes Jahr 40.000 Tonnen Getränkedosen zu neuen Produkten. Der Energiebedarf betrage nur 5 Prozent der Herstellung von Primäraluminium, sagt ein Sprecher. „Eine leere Dose kann schon 60 Tage später recycelt, geformt und abgefüllt wieder im Ladenregal stehen.“ Für den Alu-Hersteller ist das ein „exzellentes Beispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft“. Schon weil Kunststoffe immer mehr in Verruf geraten, ist man bei Hydro davon überzeugt, dass die Dose die besten Jahre noch vor sich hat. Erste Abfüller gingen schon dazu über, PET-Flaschen durch Aluminiumdosen zu ersetzen.

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