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Gewalt in Frankreich : Gelbwesten-Proteste gehen auf Kosten der Ladenbetreiber

An Dutzenden von Geschäften in Paris wurden die Schaufenster zerschlagen und es kam wieder zu Plünderungen. Bild: EPA

Die Plünderungen der sogenannten „Gelbwesten“ setzen Frankreichs Geschäftswelt zu. Für viele Ladenbesitzer ist es existenzbedrohend. Wirtschaftsminister Bruno le Maire spricht von einer „Katastrophe“.

          Die anhaltenden Proteste gegen die französische Regierung erhöhen die wirtschaftlichen Schäden. Bei einem Besuch von betroffenen Geschäftsbesitzern in Paris bezeichnete der Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno le Maire die Gewaltausbrüche und ihre Folgen am Sonntag als „Katastrophe für den Handel, eine Katastrophe für unsere Volkswirtschaft“. Die Regierung wolle vor allem den kleinen Einzelhändlern helfen und prüfe Erleichterungen bei Steuern und Sozialabgaben. Doch die Lösungen könnten nicht alleine vom Staat kommen, unter anderem hätten auch die Versicherer ihre Rolle zu spielen, sagte Le Maire.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der stellvertretende Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, berichtete nach den Demonstrationen der „Gelbwesten“ von Schäden, die sich noch deutlich erhöht hätten. Denn die Randalierer seien diesmal mobiler gewesen. „Es gab weniger Barrikaden, doch mehr zerstreute Aktionen und dadurch mehr Orte, die betroffen waren.“ An Dutzenden von Geschäften in Paris wurden die Schaufenster zerschlagen und es kam wieder zu Plünderungen. Bushaltestellen und andere Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur wurden ebenfalls beschädigt. „Halb Paris“ sei aus Angst vor Gewaltakten quasi geschlossen gewesen, berichtete Grégoire. Der Generalsekretär des Einzelhandelsverbandes FCD, Jacques Creyssel, sprach von einem „vierten schwarzen Samstag“ für seine Mitglieder. „Die Einnahmeverluste sind erheblich, sie überschreiten eine Milliarde Euro“, auch weil Lagerhäuser von den Gelbwesten blockiert seien.

          Nicht nur in Paris kam es zu Zerstörungen durch gewalttätige Demonstranten, sondern auch in Städten wie Bordeaux und Toulouse. Ein Video zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie der Apple-Store von Bordeaux geplündert wurde. Auch Mautstationen an den Autobahnen wurden Opfer von Gewaltaktionen. Eine Station südlich von Perpignan brannte teils ab. Zahlreiche Autobahnabschnitte waren am Sonntag auch noch blockiert, besonders in Südfrankreich.

          Nach einer Umfrage des Verbandes der Klein- und mittelständischen Unternehmen, CPME, fühlen sich 62 Prozent der Firmenbesitzer von den Protesten der Gelbwesten betroffen. Ein Drittel berichtet von Umsatzeinbußen, die zum großen Teil zu einem späteren Zeitpunkt nicht aufgeholt werden können. 30 Prozent der 1700 befragten Unternehmensbesitzer sind sich nicht sicher, dass ihr Geschäft überleben kann, wenn es so weitergehe. Viele Unternehmen berichten auch von verzögerten Lieferungen und verschobenen Investitionen.

          20 Prozent der Kleinunternehmer teilen dennoch die Anliegen der Protestbewegung, vor allem jenes der Steuersenkung. CPME-Generalsekretär Jean-Eudes du Mesnil, sagte, dass die Demonstranten die Falschen ins Visier nehmen würden, denn viele kleine Unternehmen würden unter Steuern leiden wie sie. Die Regierung kritisierte er für die Forderung, dass die Unternehmen Löhne und Gehälter erhöhen sollten. Die Regierung wäre im Gegenzug bereit, Sonderprämien der Unternehmen von Steuern und Sozialabgaben zu befreien, lautete ein Vorschlag von Le Maire.

          Arbeitsministerin Muriel Pénicaud rief die Franzosen dazu auf, bei kleinen Unternehmen einzukaufen statt bei den großen Online-Anbietern. Nach einer Umfrage wollen 43 Prozent der französischen Verbraucher wegen der aktuellen Krise im Weihnachtsgeschäft verstärkt im Internet bestellen.

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