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Handwerk : Flüchtlinge sorgen für kleines Plus bei Auszubildenden

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Ein Auszubildender arbeitet in Rostock mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. Bild: dpa

Noch immer finden viele Betriebe nicht genügend Lehrlinge. Asylbewerber können einige Lücken füllen, doch Politik und Verwaltung machen es den Firmen nicht immer leicht.

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          Nach jahrelangem Lehrlingsschwund steigen die Ausbildungszahlen im Handwerk dank junger Flüchtlinge. Nach den bisher vorliegenden Zahlen ist der leichte Anstieg der Lehrverträge im vergangenen Jahr darauf zurückzuführen, dass viele Asylbewerber eine Ausbildung begonnen haben. Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks jedoch erschweren nach wie vor bürokratische Hürden die Anstellung von Flüchtlingen. „Für die Betriebe ist nur wichtig, dass sie Rechtssicherheit haben. Das ist bis heute nicht in allen Fällen gewährleistet“, sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

          Eine bundesweite Übersicht über die Ausbildungszahlen des vergangenen Jahres gibt es noch nicht. Doch die bisher vorliegenden Daten aus großen Ländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern deuten darauf hin, dass die Flüchtlinge zwar nicht die Lösung für den Nachwuchsmangel sind, zumindest aber wieder etwas mehr Lehrstellen besetzt werden können. Der fehlende Nachwuchs ist ein Thema auf der Internationalen Handwerksmesse in München, die am Mittwoch beginnt. Rund 1000 Aussteller präsentieren bis kommende Woche ihre Neuheiten.

          Anteil der Flüchtlinge wächst

          In Nordrhein-Westfalen etwa stellten die Handwerker im vergangenen Jahr 29.282 Lehrlinge ein, 803 mehr als im Vorjahr, wie Andreas Oehme mitteilte, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags. Unter diesen Auszubildenden waren 1527 Flüchtlinge, dreimal so viele wie im Vorjahr. Ohne Flüchtlinge hätte es in NRW also ein Minus gegeben.

          Der Lehrlingsmangel betrifft keineswegs nur das Handwerk. In Bayern etwa wurden nach Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) 2017 insgesamt 53.380 neue Lehrverträge in den nichthandwerklichen Branchen abgeschlossen, davon rund 2700 mit Flüchtlingen. Das waren fünf Prozent der neuen Azubis.

          Bundesweit liegen bisher lediglich die Zahlen zum Stichtag 30. September 2017 vor, auch diese deuten in die gleiche Richtung: Das Bundesinstitut für Berufsbildung zählte über alle Branchen 2600 Bewerber mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Schulabgänger nach wie vor sinkt – auch das lag an der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen.

          Viele Betriebe finden keine Azubis

          Dennoch können sehr viele Lehrstellen nicht besetzt werden. Laut Bundesinstitut waren zum 30. September knapp 49.000 Lehrstellen frei, so viele wie seit 1994 nicht mehr. Die Handwerker leiden besonders stark. So war in Bayern zum 30. September 2017 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sogar fast jede fünfte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt.

          Bild: DZ-Bank / F.A.Z.-Archiv / Flatcon.com / Zentralverband des Deutschen Handwerks / F.A.Z.-Grafik

          Handwerker und Ausbildungsbetriebe würden daher gern mehr Flüchtlinge einstellen, auch wenn es häufig an den Deutschkenntnissen fehlt oder sonstige Probleme auftauchen. Eigentlich gilt für junge Flüchtlinge die so genannte 3+2-Regelung: Wer eine Ausbildung beginnt, darf nach seiner dreijährigen Lehre auch dann noch zwei Jahre im Land bleiben und arbeiten, wenn der Asylantrag abgelehnt wird. Doch Kammern und Betriebe klagen, dass das keineswegs überall einheitlich umgesetzt wird. In Bayern etwa macht es die CSU-Staatsregierung jungen Afghanen schwer, eine Lehre anzutreten. „Die Politik fährt keine klare Linie“, kritisiert der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl.

          Das findet auch der Bayerische Industrie- und Handelskammertag: „Die Integration der Flüchtlinge ist nach wie vor eine riesige Kraftanstrengung für die Betriebe“, sagt der bildungspolitische Sprecher Hubert Schöffmann. Der BIHK fordert daher eine Stichtagsregelung, um den Flüchtlingen, die 2015 und 2016 gekommen sind, eine Ausbildung zu ermöglichen.

          Doch handelt es sich keineswegs um ein bayerisches Sonderproblem. sagt ZDH-Generalsekretär Schwannecke. „Dann heißt das, der (Asylbewerber) hat aber nur einen eingeschränkten Duldungstitel und dann muss der wieder weg“, beschreibt er die Haltung in manchen Behörden. „Das verstehen viele Unternehmer auch nicht und sagen: Jetzt will ich helfen und ist nix. Dann lasse ich das Ganze.“

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