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F.A.Z.-Ökonomenranking : Der neue Ernst der Wirtschaftspolitik

Wie kommt der Handel wieder in Gang? Bild: dpa

Das diesjährige F.A.Z.-Ranking der Ökonomen zeigt: In Zeiten von Corona ist wirtschaftspolitischer Rat gefragt.

          2 Min.

          Die Zeiten sind ernst, und das macht sich auch in der F.A.Z.-Einflussrangliste der Ökonomen bemerkbar: Es sind klassisch wirtschaftspolitisch ausgerichtete Volkswirte, die in diesem Jahr die „Top 10“ des Rankings beherrschen. Wie geht man mit der Corona-Krise wirtschaftlich um? Wie kann der Staat die Konjunktur stabilisieren? Die Aufsteiger dieses Jahres können darauf Antworten geben.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Maja Brankovic
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Der Zürcher Verhaltensökonom Ernst Fehr schafft es an die Spitze der Rangliste. Lars Feld, der neue Vorsitzende des Sachverständigenrats der Wirtschaftsweisen, rückt auf Platz vier vor und hätte fast DIW-Präsident Marcel Fratzscher überholt. Auch Gabriel Felbermayr, Präsident des IfW Kiel, steigt auf – ebenso wie Michael Hüther, der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), und sein gewerkschaftsnaher Kollege Sebastian Dullien. Ifo-Präsident Clemens Fuest bleibt auf Rang zwei.

          Größter Gewinner ist Jens Südekum

          Größter Gewinner auf den vorderen Rängen ist Jens Südekum. Der Düsseldorfer Makroökonom war im vergangenen Jahr für den Sachverständigenrat gehandelt worden, als die Gewerkschaften für ihren traditionellen Platz im Gremium einen Nachfolger für Peter Bofinger nominieren durften. Allerdings hat er die Position nicht bekommen. Von der Politik wird Südekum trotzdem gehört. Das hängt auch mit seiner Aktivität auf Twitter zusammen. „Früher wurden im Prinzip nur Institutspräsidenten und Mitglieder des Sachverständigenrats gehört. Dank der sozialen Medien hat heute jeder die Chance, durch fundierte Äußerungen aufzufallen“, sagte Südekum im vergangenen Jahr der F.A.S. Doch Twitter ist längst nicht seine einzige Einflussbasis. Bemerkenswert ist, wie viele Politiker auf seinen Rat hören.

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          Die Tabelle : Deutschlands einflussreichste Ökonomen 2020

          Einfluss können Ökonomen auf ganz unterschiedlichen Wegen geltend machen. Weil sowohl die Wirkung in der Wissenschaft als auch die in der Öffentlichkeit wichtig ist, kombiniert das F.A.Z.-Ranking den Einfluss in beiden Welten. Für die Ranglistenposition zählt, ob ein Ökonom in der Wissenschaft Impulse gibt, die andere Forscher aufnehmen, ob er in den Medien Gehör findet, von Politikern als Ratgeber geschätzt wird – und auch, ob er in der ökonomischen Debatte auf Twitter Resonanz findet, die dort ausgeprägter ist als in anderen sozialen Netzwerken.

          Ernst Fehr ist in der Forschungsrangliste nicht mehr unangefochten

          Wie im vergangenen Jahr erhob die F.A.Z. die Daten in Zusammenarbeit mit dem Medienanalyse-Unternehmen Unicepta, dem Verein für wissenschaftliche Politikberatung Econwatch, der Universität Düsseldorf, dem ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, der Ökonomie-Website Makronom und dem Wissenschaftsverlag Elsevier. Der Wissenschaftseinfluss macht die Hälfte der Punkte aus, die andere Hälfte teilen sich Medien, Politik und Social Media. In Österreich und der Schweiz veröffentlichen „Die Presse“ und „Neue Zürcher Zeitung“ Ranglisten, die nach den gleichen Regeln entstehen, die hier ausführlich beschrieben sind.

          Auch in Österreich und der Schweiz steht Ernst Fehr an der Spitze. Sein Einfluss ermisst sich nicht durch direkte Begegnungen mit Politikern und nicht durch Auftritte in Medien. Mit seiner Forschung zum ökonomischen Verhalten von Menschen hat er die Verhaltensökonomik im deutschsprachigen Raum so weit vorangebracht, dass ihre Erkenntnisse immer wieder in praktische Politik münden.

          Allerdings ist Fehr in der Forschungsrangliste nicht mehr unangefochten. Zwei Ökonomen übertreffen ihn: Christian Ringle von der TU Hamburg und Marko Sarstedt, der in Magdeburg lehrt. Sie forschen an statistischen Grundlagen dafür, wie Ökonomen die komplizierte Welt in Zahlen ausdrücken können. Diese Arbeit ist in den vergangenen Jahren von so vielen anderen Wissenschaftlern entdeckt worden, dass die beiden inzwischen öfter zitiert werden als Ernst Fehr. Weil Ringle und Sarstedt aber öffentlich praktisch gar nicht präsent sind, qualifizieren sich beide nicht für die Gesamtwertung des Rankings.

          In Zeiten von Corona hat der freie Markt an Fürsprechern verloren – entsprechend ergeht es den Wettbewerbsökonomen: Sowohl Justus Haucap aus Düsseldorf als auch Achim Wambach, der erst vor wenigen Tagen den Vorsitz der Monopolkommission abgegeben hat, fallen einige Plätze zurück.

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