https://www.faz.net/-gqe-9ucd1

Keine Abkehr von Draghis Kurs : EZB setzt Niedrigzinspolitik fort

  • Aktualisiert am

Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde Bild: AP

Mit Spannung war der erste EZB-Zinsentscheid von Christine Lagarde erwartet worden. Nun ist klar: Die ultralockere Geldpolitik wird beibehalten. Zudem soll der Kampf gegen den Klimawandel eine größere Rolle spielen.

          2 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hält auch unter der neuen Präsidentin Christine Lagarde an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Der EZB-Rat beließ am Donnerstag den Leitzins im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Banken müssen weiter Negativzinsen von 0,5 Prozent zahlen, wenn sie Gelder bei der Zentralbank parken. Zudem steckt die EZB seit November monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen.

          Die seit 1. November amtierende Französin hatte schon vor ihrem Amtsantritt deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für nötig hält. Allerdings will sie mögliche negative Folgen und Nebeneffekte des EZB-Kurses genauer in den Blick nehmen. Die Sorgen der Menschen müssten beachtet werden. Außerdem wolle sie die Entscheidungen der Notenbank künftig besser erklären. Auch der Kampf gegen den Klimawandel soll eine größere Rolle spielen.

          Seit langem nicht erreicht

          Sparern macht das Zinstief zu schaffen. Zinsen auf Sparbuch und Tagesgeldkonten sind quasi abgeschafft. Wer viel Geld bei der Bank bunkert, dem drohen gar Negativzinsen. Kreditnehmer profitieren dagegen von den Niedrigzinsen. Hauptziel der Währungshüter sind stabile Preise im Euroraum. Mittelfristig strebt die EZB für den Währungsraum mit seinen 19 Ländern eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke.

          Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben – in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird. Mit der Billiggeldschwemme, die unter Lagardes Vorgänger Mario Draghi beschlossen worden war, versuchen die Währungshüter, die Wirtschaft anzukurbeln und die Teuerung anzuschieben. Dennoch hat die EZB ihr Inflationsziel seit langem nicht mehr erreicht.

          Weiter gelockert

          Lagarde hat angekündigt, die Strategie der Notenbank bald zu überprüfen. Dabei geht es unter anderem darum, ob das mittelfristige Inflationsziel noch zeitgemäß ist. Draghi hatte kurz vor Ende seiner achtjährigen Amtszeit die Geldpolitik weiter gelockert und das Zinstief zementiert. Vor allem die jüngste Neuauflage der Wertpapierkäufe hatte für massive Kritik von Ratsmitgliedern gesorgt. Gleich mehrere nationale Notenbankchefs hatten sich öffentlich distanziert - darunter auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

          Mit der Flut frischen Geldes will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Der Kauf von Staatsanleihen hilft Regierungen, sich günstiger neues Geld zu besorgen. Zugleich soll der zuletzt verschärfte Strafzins Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben, statt Geld bei der EZB zu parken.

          Weitere Themen

          Viel Lärm um Tesla Video-Seite öffnen

          Protest in Grünheide : Viel Lärm um Tesla

          Der Autobauer und das Land Brandenburg haben sich auf den Kauf der Landfläche geeinigt, auf der der Konzern seine Fabrik für Elektroautos errichten will. Ein Gutachten soll nun den Kaufpreis ermitteln. Gegner des Vorhabens fordern mehr Transparenz und fürchten Umweltschäden.

          Topmeldungen

          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.