https://www.faz.net/-gqe-a4t0b

Streit um Mohammed-Karikaturen : Erdogan ruft zum Boykott französischer Waren auf

  • Aktualisiert am

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Bild: EPA

„Achtet nicht auf französisch gekennzeichnete Waren, kauft sie nicht“, fordert der türkische Präsident in einer Fernsehansprache. Die deutsche Kanzlerin reagiert – und stellt sich hinter Macron.

          4 Min.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ruft zum Boykott französischer Waren auf. Grund ist der Streit zwischen Frankreich und islamischen Ländern wegen der Debatte um das Zeigen und Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen. „So wie in Frankreich einige sagen 'kauft keine türkischen Marken', richte ich mich an meine Nation: Achtet nicht auf  französisch gekennzeichnete Waren, kauft sie nicht“, sagte Erdogan am Montag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

          Erdogan warf europäischen Politikern Islamfeindlichkeit vor. „Ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes Faschisten“, sagte er. „Die Muslime erleben heute eine ähnliche Lynchkampagne, wie sie gegen Juden in Europa zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg geführt wurde.“

          Am Sonntag hatten schon andere Länder einen Boykott begonnen. In Kuwait erklärten 50 Konsumgenossenschaften der Zeitung „Al-Kabas“ zufolge, dass sie alle französischen Waren aus ihren Filialen entfernt hätten. Auch in Qatar erklärten Supermarkt-Ketten, dass sie französische Waren bis auf Weiteres aus ihren Regalen nehmen werden.

          In sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, wie Mitarbeiter eines Supermarkts in Jordaniens Hauptstadt Amman französische Milchprodukte aus dem Kühlregal räumen. Nutzer verbreiteten im Internet die Namen französischer Marken und riefen zum Boykott auf, auch entsprechende Hashtags machten die Runde.

          Merkel stellt sich hinter Macron

          Der größte französische Wirtschaftsverband Medef hat sich angesichts von Boykott-Aufrufen gegen Produkte aus Frankreich in mehreren arabischen Ländern hinter die Regierung in Paris gestellt. Es komme nicht in Frage, der Erpressung nachzugeben, sagte Medef-Chef Geoffroy Roux de Bézieux dem Fernsehsender BFMTV am Montag. „Es gebe Zeiten, in welchen wir Prinzipien vor die Möglichkeit, unser Geschäft auszubauen, stellen müssen.“

          Medef sei „völlig solidarisch mit der französischen Regierung“, so der Verbandschef. „Ich fordere die Unternehmen auf, sich der Erpressung zu widersetzen und diesen Boykott vorerst leider zu ertragen.“

          Die deutsche Bundesregierung stellte sich ebenfalls hinter Macron. „Das sind diffamierende Äußerungen, die ganz und gar inakzeptabel sind“, sagte Regierungssprecher
           Steffen Seibert in Berlin. „Wir stehen solidarisch an der Seite Frankreichs“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD). Die
          persönlichen Angriffe von Präsident Erdogan gegen Präsident Macron „sind ein neuer Tiefpunkt und sind auch völlig
           inakzeptabel“. Wer den Kampf gegen islamistische Extremisten „einfach gleichsetzt mit Rassismus und Islamophobie, der handelt nicht anders als unverantwortlich, und der spielt damit in die Hände derer, die unsere Gesellschaft spalten wollen“.


          Der Streit zwischen Frankreich und den anderen Ländern war wegen der Debatte um das Zeigen und Veröffentlichen von Mohammed-Karikaturen entflammt. Hintergrund sind Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron nach dem brutalen Mord an einem Lehrer in Frankreich.

          Macron hatte die Meinungsfreiheit verteidigt und sich auf die Seite derjenigen gestellt, die Karikaturen zeigen oder veröffentlichen wollen. Frankreich werde nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen“, sagte Macron bei einer Gedenkfeier zu Ehren des getöteten Samuel Paty. Dieser hatte Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt und war auf offener Straße getötet und danach enthauptet worden. Die islamische Tradition verbietet es, den Propheten Mohammed abzubilden.

          Weitere Themen

          Was Stromkunden wissen müssen

          Teure Energietarife : Was Stromkunden wissen müssen

          Weil sich viele Billiganbieter zurückziehen, wechseln hunderttausende Haushalte zum Energiegrundversorger und zahlen nun drauf. Das regt viele auf, hat aber seine Gründe.

          Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk Video-Seite öffnen

          Zwentendorf : Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk

          In Betrieb gegangen ist das einzige Atomkraftwerk Österreichs nie, da sich die Menschen in einer Volksabstimmung in den siebziger Jahren gegen die Kernkraft entschieden. Aus Wien kommt nun heftiger Widerstand gegen die Brüsseler Taxonomie-Verordnung.

          Regierung im Funkloch

          Mobilfunk : Regierung im Funkloch

          Niemand erfasst, wie es ums Surfen im Zug und auf Autobahnen wirklich steht. Das Digitalministerium verweist auf die „Funkloch-App“, mit der private Nutzer etwaige Lücken melden können.

          Topmeldungen

          Die Strompreise steigen.

          Teure Energietarife : Was Stromkunden wissen müssen

          Weil sich viele Billiganbieter zurückziehen, wechseln hunderttausende Haushalte zum Energiegrundversorger und zahlen nun drauf. Das regt viele auf, hat aber seine Gründe.
          An der Seite von Merz: Die erste stellvertretende CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp

          Christina Stumpp : Schon immer im Merz-Lager

          Christina Stumpp wird erste stellvertretende Generalsekretärin der CDU. Wer ist die Bundestagsabgeordnete, die im Team mit Merz die Zukunft der Partei verkörpert? Ein Porträt.