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Private Krankenhauskette : Klinik-Milliardäre im Endlos-Zwist

Vor der Zentrale der Krankenhauskette Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale Bild: dpa

Zwei Großaktionäre der privaten Krankenhauskette Rhön-Klinikum wähnten sich schon am Ziel mit ihrem Fusionsplan. Jetzt grätscht der dritte Großeigentümer dazwischen.

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          Sind zwei sich einig, dann wurmt das den Dritten. Auf diese Sandkasten-Regel ist auch unter Wirtschaftskapitänen Verlass. Anfang März hatten sich Bernard große Broermann (76) und Eugen Münch (75), zwei Pioniere des Gesundheitswesens in Deutschland, auf ein spektakuläres Geschäft verständigt: Münch, Gründer des Krankenhauskonzerns Rhön-Klinikum, vertraut sein Lebenswerk seinem ewigen Wettbewerber Broermann an, dem Gründer der Klinikkette Asklepios, die für Münchs Rhön-Aktienpaket rund 175 Millionen Euro bezahlt. So soll der zweitgrößte private Krankenhausbetreiber der Republik entstehen, übertroffen einzig vom Dax-Konzern Fresenius mit seiner Klinikkette Helios. So weit, so schön der Plan.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber hatte sich nicht einst Ludwig Georg Braun (76) vom Medizintechnikhersteller B. Braun aus dem nordhessischen Melsungen gerade deshalb bei Rhön eingekauft, um eine Konsolidierung auf dem privaten Krankenhausmarkt zu verhindern? Doch, genau so war es, auch wenn es ursprünglich um die Abwehr einer Übernahmeofferte von Helios ging. Mit 25,3 Prozent der Anteile war Braun seither sogar Mehrheitsaktionär, bis ihn Münch und Broermann überrumpelten. „Am Ende hilft der Deal allen Rhön-Aktionären, auch Herrn Braun“, hatte Münch, der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende, seinen Mehrheitseigentümer über die F.A.S. etwas nassforsch wissen lassen, nachdem Braun über die zwei Monate währenden Fusionsgespräche mit große Broermann nicht informiert worden war.

          Schon damals stand zu vermuten, dass man in Melsungen entschieden anderer Auffassung sein dürfte, auch wenn dort inzwischen Anna Maria Braun (40) als Vorstandsvorsitzende das Zepter von ihrem Vater übernommen hat. In der Nacht zum Samstag gab es nun Gewissheit. Braun fordert formell die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Sie soll den Münch-treuen Teil des Rhön-Aufsichtsrats abberufen, Eugen Münch inklusive, sowie eine 75-Prozent-Schwelle für strategische Entscheidungen einführen, was gut zum eigenen 25,3-Prozent-Anteil passen würde. Außerdem beantragt Braun eine Sonderausschüttung von 2 Euro je Aktie, nachdem der Vorstand eine reguläre Dividende von 25 Cent je Aktie vorgeschlagen hatte. Die Sonderdividende würde dem Großaktionär rund 34 Millionen Euro in die Kasse spülen.

          „Unverantwortliche Forderungen“

          Das Übernahmeangebot von Asklepios beläuft sich auf 18 Euro je Aktie; der Kurs vor der Bekanntgabe des Angebots lag bei 14,97 Euro. Bisher hat Asklepios 50,3 Prozent der Aktien unter seine Kontrolle gebracht, Braun hat nach Auskunft von Asklepios-Finanzvorstand Hafid Rifi noch nicht auf das Angebot reagiert. Will sich der Familienkonzern den Verkauf seiner Rhön-Aktien mit einem Aufschlag von 2 Euro je Stück versüßen lassen? Und wie soll, angesichts des Versammlungsverbots wegen der Corona-Pandemie, eine Hauptversammlung mit eingehender Beratung abgehalten werden, wie B. Braun sie fordert? „Zu Zwischenständen in einem nach gesetzlichen Vorschriften ablaufenden Verfahren“ gebe man keine Kommentare, hieß es am Samstag aus Melsungen.

          Bei Asklepios ist man offenherziger. Man werde Wege finden, in Zukunft vertrauensvoll mit Braun zusammenzuarbeiten, hatte der Vorstand vor sechs Wochen noch versprochen. Jetzt ist davon nicht mehr die Rede. Die Forderungen seien „unverantwortlich“, sagt Finanzchef Hafid Rifi, sie gefährdeten „unmittelbar die Stabilität des Unternehmens und die Sicherheit von Arbeitsplätzen“.

          Wie der Streit der Großaktionäre um die Zukunft der Krankenhauskette ausgeht, ist offen. Sicher scheint nur: Fortsetzung folgt.

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