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Tafeln für Beamte : Die Antwort auf den Shutdown: Käse-Makkaroni

Eine Tafel in Washington versorgt Bundesbedienstete mit Gratis-Essen. Bild: EPA

Wenn es finanziell knapp wird, geht es bei Amerikanern schnell ans Eingemachte. Das gilt auch für Staatsdiener, die von der Ausgabensperre betroffen sind.

          Am Montag hätte Christels Gehalt kommen müssen. Aber es kam nicht, Christel arbeitet für die Bundesregierung. Teile der Regierungsarbeit sind in den Vereinigten Staaten vorübergehend stillgelegt. Präsident Donald Trump weigert sich, das Gesetz, das die staatlichen Auszahlungen gewährleistet, mit seiner Unterschrift rechtskräftig zu machen, solange darin nicht 5,7 Milliarden Dollar für eine Mauer an der mexikanischen Grenzen enthalten sind. So bekommen 800.000 Staatsdiener aktuell kein Geld. 

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Für Christel, die ihren Nachnamen lieber nicht verrät, ist die Lage paradox. Sie arbeitet eigentlich für eine berüchtigte Behörde, die ganz im Sinne Trumps wirkt: US Immigration and Customs Enforcement. Dort arbeiten die Beamten, die mit der Aufgabe betraut sind, illegale Einwanderer zu finden und auszuweisen. Präsident George W. Bush hatte die Behörde mit inzwischen 20.000 Mitarbeitern nach den 9/11-Anschlägen gegründet, als in Amerika Angst herrschte, Ausländer könnten in das Land eindringen und Terroranschläge verüben.

          Aber an diesem Mittwoch kann Christel niemanden beschützen. Sie muss dafür sorgen, dass ihre vierköpfige Familie Essen auf dem Tisch hat. Christel steht in einem Laden in einer eher unwirtlichen Ecke im Nordosten Washingtons, die der voranschreitenden Gentrifizierung komplett entgangen ist.

          Gratis-Essen für Bundesbedienstete

          In dem alten Backsteingebäude, das früher als Großhandelslager diente, hat die Firma Kraft Flächen für einen Pop-Up-Laden gemietet, aus dem sie Nudel-Fertiggerichte, Parmesan, Scheibletten- Käse, Salatdressing und Mayonnaise an Staatsdiener verschenkt, die wegen des Shutdowns kein Geld bekommen haben. Das wichtigste Produkt ist auf den Regalen ist das amerikanischen Nationalgericht „Mac and Cheese“, Käse-Makkaroni. Die blaue Packung mit Nudeln und Käsepulver kennt jeder Amerikaner. Der Kraft-Heinz-Konzern verkauft davon jeden Tag eine Million.

          Das Essen passt zur Lage. 1937, zur Zeit der großen Depression, brachte James Lewis Kraft das Gericht auf dem Markt. Es nahm einen gewaltigen Aufschwung, als die amerikanische Regierung im Weltkriegsjahr 1942 Lebensmittel wie Milchprodukte und Fleisch rationierte und entsprechende Essensmarken ausgab. Für eine Marke gab es zwei Packungen, Kraft soll bis zum Ende der Rationierung ein Jahr nach Kriegsende 50 Millionen Packungen verkauft haben.

          Kaum Rücklagen vorhanden

          Wenn amerikanische Familien mit überraschenden Ausgaben konfrontiert werden oder damit, dass das Gehalt einige Wochen später kommt, dann geht es gleich ans Eingemachte. Vier von zehn Familien müssen sich tiefer verschulden oder Wertgegenstände verkaufen, wenn auf sie Ausgaben von 400 Dollar zukommen, hat die Federal Reserve ermittelt. „Das Geld ist sehr knapp“, sagt Christel, als sie eine Dose Parmesan in die Stofftasche stopft. Ihr Mann arbeitet, und das ist ein Glück.

          Unternehmen und Organisationen wissen, dass viele Amerikaner keine Finanzpuffer haben. Die Kette Sweet Green hat Regierungsbeamten am Wochenende in Washington einen Salat geschenkt. Furore machte der syrische Flüchtling Yassin Terou, der in Knoxville, Tennessee, ein erfolgreiches Falafel-Restaurant führt. Er gibt allen vom Shutdown betroffenen Bundesbeamten und ihren Kindern eine freie Mahlzeit. Er verbreitete die Botschaft auf Twitter mit dem Hashtag #Weallneedloveplusfalafel.

          „Humanitäre Krise“

          Washingtons bekanntester Koch, der gebürtige Spanier Jose Andres, hat eine Notfallküche zwischen dem Kapitol und dem Weißen Haus eröffnet und lässt dort Speisen und Kaffee an bedürftige Staatsdiener ausgeben. „Wenn Mütter, wenn Familien nicht wissen, was sie essen sollen, weil sie keinen Gehaltsscheck bekommen, dann ist das für mich eine humanitäre Krise.“ Andres ist nicht nur für seine spanischen Restaurants in Washington bekannt und für einen Rechtsstreit mit Trump, sondern auch für seine Hilfsorganisation „World Central Kitchen“, die im großen Stil Erdbebenopfer in Puerto Rico mit Mahlzeiten versorgt hat.

          Trump selbst muss übrigens ebenfalls kulinarische Einschränkungen hinnehmen. Das Küchenpersonal des Weißen Hauses ist während des Shutdowns freigestellt. Als die Clemson Tigers, Meister im College-Football, zur feierlichen Würdigung des Finalsiegs gegen Alabama Crimson Tide ins Weiße Haus kam, servierte  der Präsident Hamburger, Pizza und Pommes von den einschlägigen Fastfood-Ketten. Trump gilt als Liebhaber von Fast Food. Die Athleten hatten offenbar großen Spaß, wie ihr Quarterback auf Twitter verriet. Sie konnten ihre Diätpläne für den Präsidenten außer Acht lassen.

          Christel, die Immigrationsbeamtin aus Maryland, ist ebenfalls zufrieden nach Hause gefahren. Ihre beiden Kinder lieben Käse-Makkaroni.

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