https://www.faz.net/-gqe-9kqo8

Ölexporteur : Amerikaner setzen Opec unter Druck

Fracking im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Bild: dpa

In der Ölbranche bahnt sich eine Zeitenwende an. Die Vereinigen Staaten steigen zum großen Ölexporteur auf. Das Zauberwort heißt Fracking – und setzt das alte Opec-Kartell unter Druck.

          Ein Wachwechsel kündigt sich an: Die Vereinigten Staaten steigen in den nächsten fünf Jahren zum zweitgrößten Ölexporteur der Welt auf – noch vor Russland und knapp hinter Saudi-Arabien. Das prognostiziert die „International Energy Agency" (IEA). Der größte Produzent sind sie heute schon. Doch im Moment kontrolliert die Opec, die Organisation Erdöl-produzierender Länder, noch rund 40 Prozent der Ölreserven und 60 Prozent des Handels. Das wird sich in den nächsten fünf Jahren allerdings ändern.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Amerikanische Fracker fördern, was der Schiefer hergibt. Einschließlich der konventionellen Produktion steigerte das Land 2018 seine tägliche Produktion um 2,2 Millionen Fass (159 Liter) am Tag. Wenn das Wachstum auch leicht abflacht, erwartet die IEA trotzdem, dass die Amerikaner mit ihren gewaltigen Schieferöl-Vorkommen in den nächsten fünf Jahren rund 70 Prozent der zusätzlichen globalen Nachfrage decken werden. 

          Amerika verändert zu Lasten des Ölkartells Opec die Machtverhältnisse am internationalen Ölmarkt dank der Fähigkeit seiner Produzenten, auf hohe Preise schnell mit Produktionsausweitungen zu reagieren. Auch andere Nicht-Opec-Länder weiten ihre Produktion in den kommenden fünf Jahren deutlich aus: Brasilien, Norwegen, Kanada und Guyana gehören dazu. Gleichzeitig sinkt die Produktion der Opec-Länder. In Venezuela beispielsweise fällt die Ölförderung in sich zusammen, ebenso in Iran als Folge der von den Amerikanern wieder eingesetzten Sanktionen.

          Exxon und BP steigen ein

          Mit den neuen Quellen in den Vereinigten Staaten verändern sich auch langjährige Marktgepflogenheiten. Abnehmerländer müssen ihre Bestellungen nicht mehr durch langfristige Lieferverträge absichern. Dank der unkonventionellen  Fördermethoden des Fracking in Kombination mit horizontalen Bohrverfahren können die Amerikaner schnell einspringen, wenn ihr Öl gefragt ist. Wurde Fracking lange von kleineren, unabhängigen Gesellschaften vorangetrieben, machen sich nun die Ölriesen Exxon und BP im Geschäftsfeld breit mit gewaltigen Investitionen in Texas und New Mexico.  

          Doch damit nicht genug. Im amerikanische Kongress hat das so genannte Nopec-Gesetz den Rechtsausschuss des Repräsentantenhaus mit Unterstützung aus beiden Parteien passiert. Es liefert der amerikanischen Justiz die Rechtsgrundlage, um die Opec zu verklagen, wenn sie versucht hohe Kartell-Preise durchzusetzen.

          Präsident Donald Trump hat schon lange damit geliebäugelt, im Weißen Haus gibt es dagegen aber auch Bedenken, meldet der Nachrichtendienst Axios. Ein solches Gesetz könnte jenen Weltmarkt fragmentieren, den die Amerikaner gerade erobern.

          Das wäre nachteilig für amerikanische Förderer, zumal der Weltmarkt munter wächst trotz großer klimapolitischer Anstrengungen: Die internationale Energiebehörde erwartet, dass die Nachfrage bis 2024 jährlich im Durchschnitt um 1,2 Millionen Fass (159 Liter) am Tag zulegen wird. Wachsender Flugverkehr und die Chemieindustrie beflügeln die Nachfrage.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen. Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.