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EU-Austritt der Briten : Das ist die Woche der Wahrheit für den Brexit

Wie geht es weiter? Pro-Brexit-Demonstrationen am Sonntag vor dem Parlament - beide Lager machen derzeit mobil. Bild: AFP

Am Dienstag soll das britische Parlament über das Austrittsabkommen mit der EU abstimmen. Doch was passiert, wenn genau das geschieht, was alle erwarten: Dass es dagegen stimmt?

          Das Unternehmen ist eine deutsche Erfolgsgeschichte, die in Großbritannien spielt: „Herman ze German“ heißt die kleine Kette von Schnellrestaurants, die Azadeh Falakshahi und Florian Frey aufgebaut haben. Die beiden Badener servieren hungrigen Londonern Bratwürste made in Germany. Vier Filialen gibt es inzwischen in der britischen Hauptstadt. Im Januar eröffnen sie ein weiteres Restaurant in Birmingham. Deutsche Currywurst mit Pommes kommt an bei den Engländern.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Wenn da nur nicht der EU-Austritt der Briten wäre: Für die deutschen Gastronomen an der Themse geht es beim Brexit buchstäblich um die Wurst. Eine Tonne frische Fleischwaren vom Lieferanten aus dem Schwarzwald braucht „Herman ze German“ jede Woche. Die Unternehmer importieren den Nachschub in Eigenregie.

          Aber wie geht es mit dem Bratwurst-Express nach dem EU-Austritt der Briten weiter? Schlimmstenfalls könnte im Frühjahr die Wiedereinführung von Grenzkontrollen und Zöllen am Ärmelkanal die Lieferungen drastisch verzögern und verteuern. Die deutschen Restaurantbetreiber sind in Sorge. „Wir haben aber auch immer noch die Hoffnung, dass der Brexit vielleicht gar nicht kommt“, sagt Frey.

          So wie den Machern von „Herman ze German“ geht es in diesen Wochen vielen kleinen und großen Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals. Dreieinhalb Monate vor dem Austrittstermin am 29. März 2019 ist der Brexit für die Wirtschaft ein unkalkulierbares Risiko: Vielleicht geht alles glatt, und es ändert sich vorübergehend gar nichts in den Wirtschaftsbeziehungen, vielleicht bricht das große Handelschaos aus, vielleicht bleiben die Briten am Ende doch noch in der EU.

          Reibungsloser Handel könnte bestehen bleiben

          In dieser Woche werden im Parlament in London wichtige Weichen für den Brexit gestellt: Falls es nicht im letzten Augenblick doch zu einer Verschiebung kommt, stimmt das Unterhaus am Dienstag über das heftig umstrittene Austrittsabkommen ab, das die britische Regierung und die EU in zähen Verhandlungen vereinbart haben. Der Brexit-Vertrag würde den Unternehmen mehr Planungssicherheit geben: Die Briten blieben vorerst im Binnenmarkt und der Zollunion der EU. Der Handel könnte erst einmal reibungslos weiterlaufen. Bis mindestens Ende 2020 würde diese vertraglich vereinbarte Übergangsfrist dauern. Aber eben nur, wenn das Parlament zustimmt.

          Wie also wird die schicksalsträchtige Abstimmung im Unterhaus ausgehen – und was wären jeweils die Konsequenzen? Die Analysten der britischen Großbank Barclays unterscheiden grob drei Szenarien. Die erste wäre für die Wirtschaft und die Finanzmärkte die angenehmste: Eine Mehrheit der Parlamentarier stimmt zähneknirschend für Mays ungeliebtem Austrittsdeal. Zwar müsste die Regierung im neuen Jahr noch weitere Abstimmungen über die Umsetzung des Abkommens in britisches Recht gewinnen. Aber die Gefahr, dass es Ende März zu einem chaotischen „No-Deal-Brexit“ mit abrupt entstehenden Handelsbarrieren und hohen Rechtsrisiken kommt, würde viel kleiner.

          Das Problem: Es wäre eine große Überraschung, wenn May die Abstimmung am Dienstag gewinnen sollte. Zu groß ist der Widerstand von allen Seiten. Der Brexit-Deal zeuge von „hochgradiger Inkompetenz“ der Regierung, grantelt etwa der frühere Notenbankchef Mervyn King. Großbritannien gebe die Vorteile der EU-Mitgliedschaft auf, ohne die Vorteile, die ein konsequenter Austritt bieten würde, nutzen zu können, glaubt King. So sehen das viele Kritiker.

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