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Neue Seidenstraße : Chinas Tor zur Welt steht in Kasachstan

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Die neue Seidenstraße : Chinas langer Weg nach Westen Bild: Davide Monteleone/laif

„Wir brauchen knapp vier Stunden zwischen dem Grenzübertritt eines Containers und dem Weiterleiten hier“, sagt Altybasarov stolz. „Viel schneller können wir trotzdem wohl nicht mehr werden, sonst wird es gefährlich.“ Allein die Geschwindigkeit zu halten wäre schon etwas. Denn 1300 Kilometer im Norden, in Astana, schmiedet Kanat Alpysbayev große Pläne. Der Mann im 38. Stockwerk des Railway Towers ist der Präsident der Eisenbahngesellschaft KTZ des riesigen Landes und damit auf dem Sprung zu höheren politischen Weihen. Immerhin trägt KTZ mit gut 130 000 Mitarbeitern rund 8 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung Kasachstans bei. „Wir werden den Frachtverkehr mit China sehr rasch steigern“, gibt der frühere Manager von General Electric die Richtung vor. „In den nächsten zwei Jahren wollen wir den Umsatz im Gütertransport von einer Milliarde auf 5 Milliarden Dollar hochfahren.“ 30 Milliarden Dollar habe das Land in den vergangenen zehn Jahren in den Ausbau gepumpt. Dass ein Großteil davon aus China kommt, will er nicht sagen.

Bild: F.A.Z.

China ist nicht nur der größte Investor im russisch geprägten Kasachstan, sondern auch sein größter Handelspartner und Helfer. Gerade geben die Chinesen den Nachbarn 2000 Eisenbahnwagons für Schüttgut, um damit Weizen nach China zu transportieren. „China zahlt auch für die Terminals und Lagerhäuser“, erzählt Yerzhan Kulakov, Vizepräsident von KTZ Express. Und die Transportgebühren senkten die Chinesen um die Hälfte; so sollen bald 300 000 Container Weizen über die Grenze rollen. Hatte das Handelsvolumen der fünf größten zentralasiatischen Länder mit der Volksrepublik im Jahr 2000 gerade einmal eine Milliarde Dollar betragen, war es 2013 schon auf 50 Milliarden Dollar angeschwollen.

Schneller Lieferung auf Kosten der Umwelt?

Die großen Versprechen, die Alpysbayev macht, fußen auf Plänen, die in einem anderen Turm geschmiedet werden – am Rhein im fernen Bonn, bei der Deutschen Post. Denn DHL hat schon 2008 erkannt, welche Möglichkeiten im Landtransport von und nach China liegen; und heute sprechen selbst die Postler von einem „aggressiven Investitionsklima“ entlang der Belt-and-Road-Länder. „Wir haben 2013 als Erste bewiesen, wie reibungslos der Verkehr über diese Schienenstrecke laufen kann“, sagt Zafer Engin, der sich von Schanghai aus für DHL um die Zugverbindung kümmert. „Der Containertransport per Bahn birgt enorme Vorteile: die Lieferzeit beträgt nur 16 Tage statt 45 über See per Containerfrachter. Und zugleich kostet der Transport auf der Schiene nur ein Fünftel dessen per Luftfracht.“ Dass der Bahntransport doppelt so viel Kohlendioxid ausstößt wie das Verschiffen, mag niemand bei DHL bestätigen.

Im südwestlichen Teil von Pakistan entsteht ein riesiger Frachthafen – auch ein Teil der chinesischen Expansionspläne.
Im südwestlichen Teil von Pakistan entsteht ein riesiger Frachthafen – auch ein Teil der chinesischen Expansionspläne. : Bild: dpa

Dennoch seien die Vorteile der Bahnstrecke so offensichtlich, dass sie das Zeug habe, „den internationalen Handel vollkommen zu verändern“, heißt es. „Das aber erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Organisationen, Regierungen und Ländern.“ Die ist in Khorgos mit Händen zu greifen. Die Container von Shanghai Shipping, Yang Ming Line, Woojin Logistics und China Railway Express stapeln sich. Den Kasachen helfen chinesische Fachleute vom staatlichen Hafen Lianyungang und der Containerreederei Cosco. China hält – natürlich – 49 Prozent am Trockenhafen. Einfach sei es nicht, mit den Chinesen zu arbeiten, sagt Khamzin. „Aber wir brauchen die Leute, ihre Erfahrung, ihre Professionalität. Wir sind ein junges Land, gerade mal 27 Jahre unabhängig.“ Auf Dauer ließen sich durch eine Kombination der Verkehrsarten Verbindungen bis nach Japan und Korea aufbauen, hofft er. Dann hätte Eisenbahnchef Alpysbayev recht behalten: „Wir hängen hier nicht vom Wachstum nur in China ab, sondern vom globalen Wirtschaftswachstum“, beharrt er.

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