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Folgen für die Reportage : Relotius und wir

Der Text ist geschrieben, das Blatt ist voll: Der entscheidende Teil der Arbeit des Reporters hat jedoch draußen stattgefunden. Bild: Bernd Wüdpa

Der Skandal um den „Spiegel“-Reporter zwingt Journalisten zum Nachdenken. So leicht lässt sich der Vorwurf der Fake News nun nicht mehr aus der Welt schaffen. Doch die Reportage muss bleiben.

          9 Min.

          Journalistenpreise sind süßes Gift. Fünf junge Reporter sollen heute davon nehmen. Es ist ein Sommertag im Berliner Westen im Jahr 2007. Alles ist feierlich, junge Leute in eleganten Kleidern und Anzügen, die Älteren tragen schöne Krawatten. Appetitliche Häppchen werden gereicht und süffiger Wein. Einer der Prämierten unterhält sich mit Angehörigen an einem Stehtisch. Da tritt ein honoriger Herr auf ihn zu, stellt sich vor und sagt, wäre es nach ihm gegangen, hätte er den Preis nicht erhalten. Der prämierte Beitrag, eine Radioserie über Begriffe aus der Wirtschaft im bundesweiten Kinderprogramm, enthalte Erklärungen wie diejenige, dass jemand, der verschuldet sei, weniger als nichts habe. Das sei viel zu unpräzise, um guter Journalismus sein zu wollen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          An diesem Abend hat dieser Reporter verstanden, was Journalistenpreise sind: die Aufnahme in einen Club, die Festlegung von Standards einer Zunft – und ein bisschen Oscar-Show ohne Glamour und coole Sprüche, aber mit dem stolzen Gefühl, eine Höchstleistung vollbracht zu haben. Dass darauf der Schatten des Zweifels lag, hat er bis jetzt für sich behalten. Schon junge Kollegen werden angefüttert und lernen, was man von ihnen erwartet. Bei ausgewählten Speisen und Getränken dürfen sie daran schnuppern, wie Erfolg riecht. Das kann süchtig machen. Es kann anregen – oder frustrieren, wenn sich der Erfolg nicht wiederholt.

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