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Die Soziale Marktwirtschaft : Wirtschaft für den Menschen

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Ludwig Erhard, Bundeswirtschaftsminister (1949 bis 1963) und Bundeskanzler (1963 bis 1966) Bild: J.H. Darchinger/darchinger.com

Parallel zur Währungsreform hat Ludwig Erhard vor 70 Jahren die Preise freigegeben. Mit der Sozialen Marktwirtschaft ist Deutschland seither weit vorangekommen. Zur Güte eines unvollkommenen Konzepts.

          9 Min.

          Die Soziale Marktwirtschaft war nie ein in sich geschlossenes Konzept. Und genau darin liegt ihr Erfolgsgeheimnis. Als Ludwig Erhard vor 70 Jahren, am 20. Juni 1948, parallel zur Währungsreform die Anweisung gab, zahlreiche Güterpreise freizugeben, leitete ihn ökonomischer Sachverstand genauso wie politisches Gespür. Im Ringen mit dem Wirtschaftsrat der Bizone und mit seinen eigenen Mitarbeitern in der Verwaltung für Wirtschaft, die keineswegs vorbehaltlos hinter seinen Ideen standen, entschloss er sich, die Freigabe der Preise auf den Weg zu bringen. Um sein Ansinnen nicht zu gefährden, umging er zunächst die eigentlich notwendige Genehmigung durch den Länderrat und durch die Alliierten. Die entsprechende Verordnung, das „Gesetz über Leitsätze für die Bewirtschaftung und Preispolitik nach der Geldreform“ war überdies recht unverdächtig formuliert. Leonhard Miksch, aus dessen Feder das „Leitsätzegesetz“ im Wesentlichen stammte und der ein Schüler des Freiburger Ökonomen Walter Eucken war, notierte dazu in seinem Tagebuch: „Sehr verwaschen, aber das Verwaschene ist das Richtige.“

          Soziale Marktwirtschaft war von Anbeginn ein politischer Aushandlungsprozess. Um den Rückhalt für seine Reformen zu festigen, ließ Erhard von November 1948 an das wenig marktwirtschaftliche „Jedermann-Programm“ auflegen, das den Preisanstieg bei Gütern des alltäglichen Bedarfs, insbesondere bei Kleidung, dämpfte. Auch wissenschaftlich gab es Unmut. Nur eineinhalb Jahre nachdem Miksch das Leitsätzegesetz formuliert hatte, sollte er im Dezember 1949 in seinen privaten Notizen festhalten: „Wir müssen nun ernsthaft daran denken, von dem gegenwärtigen Regierungskurs deutlich abzurücken. Wir können nicht länger zusehen. Man wird später sagen, es seien unsere Ideen gewesen.“

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