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F.A.Z. exklusiv : Deutschland beendet Zusammenarbeit mit jedem dritten armen Land

Auf der Ausstiegsliste stehen unter anderem Kuba, Guatemala und Haiti Bild: AFP

„Weg von der Gießkanne“: Entwicklungsminister Müller will die deutsche Entwicklungshilfe neu aufstellen – sie soll sich aus vielen armen Ländern zurückziehen.

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          Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) plant den Rückzug der deutschen Fachleute aus vielen Partnerländern. Dies gilt in seinem Haus als die größte Strukturreform seit zwölf Jahren. Derzeit ist Deutschland in etwa 85 Ländern direkt aktiv, entweder über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). In etwa einem Drittel soll diese Form der Zusammenarbeit beendet werden. „Die Neukonzeption führt dazu, dass wir uns in verschiedenen Ländern aus der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zurückziehen“, bestätigte der Minister auf Nachfrage. „Wir gehen damit weg von der Gießkanne und arbeiten verstärkt mit unserer bilateralen Zusammenarbeit dort, wo unser Engagement einen Unterschied macht und Partner Reformen umsetzen“, sagte der CSU-Politiker der F.A.Z. Man konzentriere die Zusammenarbeit auf weniger Länder, „welche gezielt Reformen zu guter Regierungsführung umsetzen, Menschenrechte wahren und Korruption mit unserer Unterstützung bekämpfen“.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Auf der Ausstiegsliste, die der F.A.Z. vorliegt, stehen unter anderem Burma, Nepal und Sri Lanka in Asien, Burundi, Sierra Leone und Liberia in Afrika sowie Kuba, Haiti und Guatemala in Amerika. Der Minister wollte sich zu den einzelnen Ländern nicht äußern. Die Arbeit an der neuen Länderliste gilt zwar als weitestgehend abgeschlossen. Die Partnerländer, das Auswärtige Amt und die Abgeordneten wurden einbezogen. Aber dennoch sind Änderungen in dem einen oder anderen Fall noch möglich. Die Liste ist Teil des neuen Konzepts „BMZ 2030“, das der Minister bis zum Sommer vorlegen will.

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