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Ewgenij „Gene“ Freidman : Der Untergang des New Yorker Taxi-Königs

Die „Yellow Cabs“ prägen noch immer das New Yorker Stadtbild. Bild: AFP

Der einstige Taxi-König von New York ist am Ende: Ruiniert durch Uber und eigene Spekulationen könnte Gene Freidman nun sogar dem Präsidenten gefährlich werden.

          Für den 47 Jahre alten Ewgenij „Gene“ Freidman, dem einst millionenschweren Taxi-König von New York, ist es in den vergangenen Jahren nicht rund gelaufen. Das wird man nach nüchterner Analyse sagen müssen. Am 14. Juni kommen im Sheraton La Guardia Hotel im Stadtteil Queens 139 Taximedallions unter den Hammer. Es sind die letzten aus Freidmans untergegangenem Firmenimperium. Einst kontrollierte Freidman 900 dieser Medallions.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Taximedallions sind Lizenzen zum Betrieb eines der gelben oder grünen Taxis, die die Stadt New York ausgibt. Freidman hat im Dezember schon ein paar Tage im Gefängnis in Chicago verbracht wegen komplizierter Verwicklungen. Er ist pleite, geschieden und auf Bewährung. Und alte Bekannte wie Donald Trumps Anwalt Michael Cohen wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben.

          Nicht völlig schuldlos an der unseligen Entwicklung

          Nicht, dass der im russischen St. Petersburg geborene Freidman völlig schuldlos an dieser unseligen Entwicklung wäre. Eine Auflistung von Konflikten, in denen der Mann involviert war oder noch ist, legt den Verdacht nahe, dass Harmonie für ihn kein zentrales Anliegen war. Andererseits gerät man manchmal einfach in irgendetwas hinein und eines führt dann zum anderen.

          Gene Freidman lag in den vergangenen Jahren im Clinch mit dem amerikanischen Fiskus, mit der Taxi-Kommission, mit dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, mit der New Yorker Staatsanwaltschaft, mit eigenen Fahrern, mit der Konkurrenz und mit Geldgebern einschließlich der Citibank. Dazu kam 2015 noch eine schmutzige Scheidung von seiner deutlich jüngeren Frau, die ihm einen fünfstelligen monatlichen Unterhalt abverlangte und ihn gerichtlich zu einem Drogentest zwang. Freidman schnitt nach der Scheidung seinen Zopf ab und legte die getönte Brille im Bono-Stil beiseite, um einen neuen Lebensabschnitt zu markieren.

          Ewgenij „Gene“ Freidman (hier eine Aufnahme von 2017) war einst der Taxi-König von New York.

          Doch der schwerste Angriff auf sein wirtschaftliches Wohlbefinden ging vom Silicon Valley aus: Von den Mitfahr-Apps Uber und Lyft. Seit 1937, als die Stadt New York erstmals Taxilizenzen ausgab, sind deren Werte schneller im Wert gestiegen als die Standardaktien im Dow Jones-Index. Ein Medallion war wie eine sichere Bank. Der Umbruch kam im Jahr 2014, als sich die Kunde ausbreitete von funktionierenden Mitfahrdiensten, die man über Smartphone-Apps beanspruchen konnte. 2014 war das letzte Jahr, in dem die Taximedallions für die horrende Summe von einer Million Dollar den Besitzer wechselten. Seitdem werden von Verkauf zu Verkauf weniger Erlöse erzielt, im Februar dieses Jahres ging eine Taxilizenz für 125.000 Dollar über den Tisch.

          Wundern muss sich niemand: Lyft, Uber, Juno, Via und Gett – und wie die Mitfahr-Apps sonst noch heißen – laufen den alten Taxibetrieben den Rang ab. Daten der „New York City Taxi & Limousine Commission“ zeigen, dass die Mitfahrdienste im Dezember 2017 mehr als 15 Millionen Kundenfahrten zu verzeichnen hatten, während  die für Taxi-Betriebe in jenem besonders geschäftigen Monat nur noch zehn Millionen Fahrten verbucht wurden – rund fünf Millionen Fahrten im Monat weniger als noch bis 2014 üblich. Der Trend zeigt eindeutig nach unten für die alten Beförderungsbetriebe. Selbst auf den Flughäfen und in Manhattan sind die Taxen auf dem Rückzug, in den  äußeren Stadtbezirke sind Uber und Lyft den alten Wettbewerbern ohnehin meilenweit voraus.

          Geld leihen und Taximedallions kaufen

          Freidman altes Geschäftsmodell sah, wenn man es etwas komprimieren will, so aus: Er lieh sich Geld und kaufte Taximedallions, wo er sie kriegen konnte, denn deren Wert stieg immer weiter. Bilanziell ging es Freidman bestens, solange die Lizenzen begrenzt blieben und wegen hoher Nachfrage immer teurer wurden. Zeitweise verfügte Freidman dank der Zukäufe über 900 oder 7 Prozent aller New Yorker Taxi-Medallions, weitere hatte er in Chicago und Boston.

          Sein Bruttovermögen wurde zeitweise auf eine Milliarde Dollar taxiert, sein Nettovermögen ermittelte der gegnerische Scheidungsanwalt im Jahr 2015 auf 300 Millionen Dollar, wobei nicht auszuschließen ist, dass diese Kalkulation ein wenig zu hoch ausfiel.

          Destruktion mit Kollateralschäden

          Es bleibt, dass Freidman sich reich fühlen durfte, bis ihm Uber und Lyft in die Quere kamen. Selten hat sich die vom österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter entwickelte Vorstellung von der kreativen Destruktion so konkret materialisiert wie im Niedergang des Taxigewerbes im Kampf mit Uber und Co. Es ist, wie man auch lernt, ein Kampf mit Kollateralschäden: Die New Yorker Taxi-Lobby meldet, dass sich in jüngster Zeit fünf überschuldete Taxifahrer umgebracht hätten, zwei waren offenbar Medallion-Inhaber, die ihre Kredite nicht mehr bezahlen konnten. Banken stellen Darlehen fällig, wenn sie nicht mit entsprechenden Vermögenswerten gesichert sind.

          Freidman hat versucht, über politische Kanäle, sich und seine Branche zu schützen. Er gehörte zu den Wahlkampfspenden-Einwerbern des demokratischen Bürgermeisters Bill de Blasio und organisiere immerhin Zuwendungen in Höhe von 50.000 Dollar. Eine Zeitlang sah es so aus, als würde die Stadtregierung unter di Blasio Fahrdiensten wie Uber und Lyft Restriktionen auferlegen. Aber dann versandete das Projekt.

          Die Staatsanwaltschaft hat Freidman schließlich dran gekriegt wegen Steuerhinterziehung. Doch der einstige Taxi-König konnte einen Vergleich herausschlagen, offenbar, indem er aus einer alten Verbindung zu Michael Cohen Kapital schlug. Er zahlt dem New Yorker Fiskus eine Million Dollar und wandelt damit seine Gefängnisstrafe in eine Bewährungsstrafe um und stellt sich ansonsten den Staatsanwälten als Zeuge zur Verfügung. Das könnte auf Michael Cohen zielen.

          Der Anwalt hatte selbst Taxi-Medallions, die er von Freidman managen ließ. Dieser Vergleich bietet amerikanischen Medien deshalb den Ansatzpunkt für eine ziemlich brisante Dominotheorie: Freidman war geschäftlich mit Michael Cohen verbunden, der der Anwalt von Präsident Donald Trump war, bis Staatsanwälte seine Räume durchsucht und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt haben.

          Der Dominoverlauf wird sich so vorgestellt: Freidman schützt sich, indem er gegen seinen alten Geschäftspartner Michael Cohen aussagt. Cohen schützt sich vor den Rechtsfolgen dieser möglichen Anschuldigungen, indem er gegen Trump auspackt. Indirekt hätte dann in dieser etwas gewagten Spekulationskette Uber Trump in Wanken gebracht. Das wäre kreative Zerstörung aber echt auf die Spitze getrieben.

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