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Mekong : Historischer Erfolg für Irrawaddy-Delfin

Irrawaddy-Delfine im Mekong (Archivbild vom Juli 2016): Dank entschlossenem Handeln nimmt die Zahl der kleinen Tiere wieder zu. Bild: AP

Industrialisierung, Touristen, Landwirtschaft setzen dem Irrawaddy-Delfin derart zu, dass das Tier drohte auszusterben. Nun aber gibt es Grund zur Freude.

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          Mit ihren dicken Köpfen wirken sie putzig, unbeholfen. Doch sind die Delfine im Mekong nicht nur flink, sondern auch längst eine Ikone: Für das Leiden der Natur unter der Industrialisierung, der Überfischung, dem wachsenden Tourismus. Nun aber stellt sich heraus: Dank strikter Regeln, Überwachung, Ausbildung und dem entschiedenen Vorgehen gegen Wilderer hat die Zahl der Delfine im südostasiatischen Strom erstmals seit Beginn der Zählungen vor mehr als 20 Jahren wieder zugenommen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Mekong durchquert sechs Länder und misst mehr als 4500 Kilometer. Gut 60 Millionen Menschen leben an ihm und meist auch von ihm. Sie fischen, sie betreiben Landwirtschaft, und sie bauen auf die immer zahlreicheren Touristen – das alles gefährdet den Irrawaddy Delfin. Benannt nach dem großen burmesischen Fluss, zählt der Mekong jedoch die größte Population. Sie ist eine von weltweit nur noch fünf.

          In diesem Jahr zählten die Mitarbeiter des World Wildlife Fund (WWF) gemeinsam mit den Entsandten der Fischereibehörde in Kambodscha wieder die verbliebenen Irrawaddy Delfine im Mekong. 2015 kamen sie nur noch auf 80. Nun aber staunten sie: Denn sie fanden 92 der dunkelgrauen Säuger. Auch wurden in den vergangenen drei Jahren 32 Delfin-Babys geboren. Die Sterblichkeit der Jungtiere sei stark gesunken, berichtet der WWF. Sank der Bestand in der Zählperiode bis 2004 noch um 7 Prozent, schrumpfte er bis 2015 um immer noch 1,6 Prozent. Nun die deutliche Umkehr. Für den WWF ist der Anstieg der Population in Zeiten wachsender Industrialisierung, intensiverer Agrarwirtschaft und steigenden Fremdenverkehrs am Mekong ein „historischer Erfolg“.

          Früher Soldaten, heute Stellnetze

          Früher wurden die kleinen Wale gefangen, um ihr Fleisch und Öl zu nutzen. Sie litten unter dem Fischen mit Dynamit, und auch die Soldaten Kambodschas machten Jagd auf sie. Heute sind sie besonders gefährdet durch Stellnetze, die sich oft hunderte Meter durch den Fluss ziehen. Die neuen dünnen Billignetze aus China sind für die Fische kaum noch auszumachen, während sie die dickeren der vergangenen Jahre erkennen konnten.

          Damit nicht genug: Dämme und Bewässerungssysteme der Menschen am Fluss nehmen ihnen den Lebensraum. Die Wasserkraftanlagen hindern kleinere Fische daran, ihre Laichplätze zu erreichen – damit aber fehlt den Delfinen ihre Ernährungsgrundlage. Pestizide und Plastikabfälle belasten das Flusswasser. Und schließlich nimmt der Bootsverkehr auf dem Mekong dank der zunehmenden Zahl der Reisenden und dem verstärkten Handel immer weiter zu – das setzt die Tiere unter Stress und tötet manche in den Schiffsschrauben.

          Die Delfinhüter aber melden nun Erfolge: Seit 2015 wurden 35 Wilderer festgenommen, 16 verurteilt. Gut 358 Kilometer Stellnetze wurden aus den Bereichen entfernt, in denen sich die bis zu 2,7 Meter langen Tiere normalerweise tummeln. „Wir konzentrieren uns auf Schutz und Konservierung“, sagt Eng Cheasan, der Generaldirektor der kambodschanischen Fischereiverwaltung. „Wir werden die Schulung ausbauen, um noch mehr Menschen entlang des Flusses zur Teilnahme an unseren Programmen zu bewegen.“ Das scheint zu Früchte zu tragen: Starben 2015 noch neun Tiere, waren es 2016 nur noch sechs, und 2017 nur noch zwei Delfine.

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