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Kostenlose Corona-Tests : Auch Flughäfen in Hamburg und Berlin bald startklar

  • Aktualisiert am

Geparkte Flugzeuge auf dem Frankfurter Flughafen Bild: Lando Hass

Kommende Woche soll die Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten in Kraft treten. Einige Flughäfen bieten bereits kostenfreie Tests an. Wer die Kosten für die Reisenden übernehmen soll, ist hingegen noch offen.

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          Der Chef der Berliner Flughäfen, Engelbert Lütke Daldrup, rechnet mit ersten freiwilligen Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten noch in dieser Woche. „Wir werden dafür wahrscheinlich einen Terminal-Bereich nutzen“, sagte er am Dienstag am Rande des Probebetriebs am neuen Flughafen BER.

          Die Rückkehrer sollen dorthin unter anderem auch mit Bussen transportiert werden, nachdem sie ihr Gepäck aufgenommen haben. Lütke Daldrup geht für Anfang kommender Woche davon aus, dass die Tests per Verordnung auch verpflichtend werden.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Montag eine Testpflicht für Einreisende aus solchen Gebieten mit hohen Fallzahlen angekündigt, die voraussichtlich kommende Woche in Kraft treten soll. Wer keinen negativen Befund hat, muss wie bisher für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

          „Wir rechnen mit Donnerstag oder Freitag“

          An vielen deutschen Flughäfen sind Corona-Tests bereits möglich – kostenfrei sind sie aber in der Regel nicht. An den Flughäfen in Köln, Düsseldorf und Dortmund werden  hingegen bereits kostenfreie Tests angeboten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die nordrhein-westfälische Landesregierung hatten die Testzentren eingerichtet.

          Welche Staaten als Risikogebiete mit einer erhöhten Infektionsgefahr gelten, legt die Bundesregierung mit dem Robert Koch-Institut (RKI) in einer Liste fest. In der jüngsten Version reicht die Liste von Afghanistan und Ägypten über die Vereinigten Staaten bis zur Zentralafrikanischen Republik. Auch das EU-Land Luxemburg ist dabei.

          Auch am Hamburger Flughafen sollen noch in dieser Woche alle Reiserückkehrer unmittelbar nach ihrer Ankunft aus Risikogebieten kostenlos auf das Coronavirus getestet werden. „Wir rechnen mit Donnerstag oder Freitag“, sagte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag bei der Landespressekonferenz in Hamburg. Eine entsprechende Regelung für alle größeren deutschen Flughäfen hatten die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes in der vergangenen Woche beschlossen.

          Die Schulferien in Hamburg gehen in der kommenden Woche zu Ende; viele Urlauber sind schon in die Hansestadt zurückgekehrt. In den vergangenen Tagen hätten sich viele hundert Reiserückkehrer aus Risikogebieten wie den Vereinigten Staaten, den Balkanländern, Nordafrika und der Türkei bei den Gesundheitsämtern gemeldet, sagte Leonhard. „Wir habe eine gute Disziplin bei den Reiserückkehrern. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider.“

          In Hamburg werden derzeit etwa 2000 Fluggäste pro Tag erwartet. Nicht alle werden aus der Hansestadt kommen. In diesen Fällen sollen die Testergebnisse an die Ämter des Wohnortes weitergeleitet werden. Die Kosten für den Corona-Test teilen sich Bund und Länder.

          Noch Fragen offen bei der Umsetzung der Testpflicht

          Detailfragen zur Umsetzung der Testpflicht sind noch ungeklärt. Wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Dienstag in Berlin auf Anfrage mitteilte, ist noch nicht entschieden, wer genau die Kosten für die Tests trägt, etwa die Krankenkassen. Spahn hatte angekündigt, dass sie für die Rückkehrer selbst kostenfrei sein sollen. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat zudem Zweifel, dass die Gesundheitsämter die Tests schultern können

          Spahn sei nun aufgefordert darzulegen, „wie er die Testpflicht gemeinsam mit den Bundesländern umsetzen will“, erklärten die SPD-Politiker Bärbel Bas und Dirk Wiese in Berlin. Vom Koalitionspartner kam aber grundsätzlich Unterstützung für die Testpflicht. Der Gesundheitsschutz habe oberste Priorität. Die Testpflicht sei möglich und angemessen, erklärten Bas und Wiese. Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, begrüßte die Pläne. „Selbst wenn wir nur einen Teil der infizierten Rückkehrer entdecken, wäre das sinnvoll und ein Erfolg“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

          Reinhardt reagierte damit auf Skepsis des Berufsverbandes im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Dessen Vorsitzende Ute Teichert hatte eingewandt, dass erst am Ende des Urlaubs erfolgte Ansteckungen womöglich nicht erkannt werden. Am Dienstag äußerte die im SWR Zweifel an der Machbarkeit der Zwangstestung. Man habe bei den Gesundheitsämtern keine Kapazitäten für die geplanten Abstrichzentren, sagte Teichert. Sie empfahl, dafür eigenes Personal einzustellen.

          Kritik gab es am Dienstag auch daran, dass Urlauber selbst nicht an den Kosten für die Tests beteiligt werden sollen. „Dass Menschen in Risikogebiete reisen, wird ja noch länger gehen“, sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im WDR5-„Morgenecho“. Deshalb könne die Übernahme der Kosten durch den Staat auf Dauer keine staatliche Leistung sein. Er schlug eine Deckung der Kosten über die Sicherheitsgebühren der Flughäfen vor.

          Die Laborkosten für einen Corona-Test liegen laut Bundesgesundheitsministerium bei 50,50 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Arzt. Auch die Ärztevertretung Marburger Bund sprach sich gegen kostenfreie Tests für die Reisenden aus. Wenn ein Mensch bewusst in ein Risikogebiet reise, müssten die Testkosten unter die Urlaubskosten fallen, sagte die Vorsitzende der Ärztebundes, Susanne Johna, dem MDR.

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