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Unbeliebte Führungsposition : Chefärzte könnten knapp werden

Chefarztpositionen bedeuten auch weniger Zeit für Patienten und Forschung. Bild: Lucas Bäuml

Immer weniger Mediziner wollen aufsteigen. Im neuen Posten befürchten sie zu wenig Zeit für Patienten und ihre Familien. Zudem bereitet das Studium sie nur unzureichend auf Kompetenzen in Führungspositionen vor.

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          Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie unverzichtbar, ja lebensrettend funktionierende Krankenhäuser sind – und wie schwierig sie sich mit der Personalausstattung tun. Viel wurde in diesem Zusammenhang über den Mangel an Pflegerinnen und Pflegern gesprochen. Vergangene Woche warnte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin DIVI, dass 20 Prozent der Beatmungsplätze nicht betrieben werden könnten, weil die Kräfte fehlten. Bei den weniger spezialisierten Low-Care-Intensivbetten seien es sogar 35 Prozent. Daher sei „mit einer spürbaren Einschränkung in der Versorgung der Bevölkerung zu rechnen“. Derlei Personal- und Nachwuchsmangel gibt es aber nicht nur unter Pflegern, sondern auch ganz oben in der Hierarchie: auf den Chefarztposten. Das jedenfalls legt eine noch unveröffentlichte Befragung des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie und der Personalberatung Rochus Mummert unter fast 400 Oberärzten an deutschen Universitätskliniken nahe, die der F.A.Z. vorliegt.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Danach streben nur 14 Prozent die Chefposition in einem nicht universitären Krankenhaus an, weitere 8 Prozent können sich das an der Uniklinik vorstellen, einschließlich der Lehrstuhlübernahme. 23 Prozent wollten im Haus als Sektionsleiter zusätzliche Aufgaben und Verantwortung übernehmen, 22 Prozent wünschten eine Universitäts- oder Juniorprofessur. Aber genauso viele möchten den nächsten Karriereschritt nicht gehen, sondern Oberärzte bleiben. Und nur 8 Prozent wollen sich selbständig machen, gerade einmal 3 Prozent in Forschung oder Beratung wechseln.

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