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Wegen Falschaussage : Haftbefehl gegen Carole Ghosn

Carlos und Carole Ghosn Bild: AFP

Die japanische Staatsanwaltschaft geht gegen die Ehefrau des flüchtigen Automanagers Carlos Ghosn vor. Sie soll fälschlicherweise verneint haben, einen in die Vorwürfe gegen ihren Mann verwickelten Bekannten zu kennen.

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          Die japanische Staatsanwaltschaft hat einen Haftbefehl gegen Carole Ghosn, die Frau des flüchtigen Automanagers Carlos Ghosn, erlangt. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Dienstag, Frau Ghosn habe in einer Vernehmung im vergangenen April in Tokio eine Falschaussage gemacht. Die Ehefrau des früheren Unternehmenschefs von Nissan Motor soll verneint haben, einen in die Vorwürfe gegen ihren Mann verwickelten Bekannten zu kennen, obwohl sie sich mit ihm getroffen und nach der Verhaftung ihres Mannes wiederholt E-Mails mit ihm ausgetauscht haben soll.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Am Dienstag beschloss derweil das Bezirksgericht in Tokio, die von Carlos Ghosn gezahlten zwei Kautionen in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Yen (12,3 Millionen Euro) einzuziehen. Ghosn hatte das Geld, wie in Japan üblich, in bar vor Gericht hinterlegt als Garantie, dass er seinen Kautionsauflagen folgend Japan nicht verlassen werde. Mit seiner Flucht in den Libanon Ende des vergangenen Jahres hat der frühere Automanager diese Auflagen gebrochen.

          Die Staatsanwaltschaft hatte vergangenes Jahr nachdrücklich von der Freilassung auf Kaution abgeraten, weil sie bei dem wohlhabenden Ghosn ein großes Fluchtrisiko vermutete. Der flüchtige Automagnat ist in Japan unter anderem wegen Veruntreuung angeklagt. Er bestreitet die Vorwürfe. Ghosn will an diesem Mittwoch in Beirut eine Pressekonferenz abhalten. Gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender Fox Business kündigte er an, die Namen der Verschwörer in der japanischen Regierung und bei Nissan Motor nennen zu wollen, die ihn aus dem Amt hätten jagen wollen.

          Unbestreitbare Evidenz

          Ghosn behauptet, dass er Beweise vorlegen könne. Im April vergangenen Jahres hatte er in einem aufgezeichneten Video eine Verschwörung gegen ihn behauptet, auf Anraten seiner japanischen Anwälte aber darauf verzichtet, Namen zu nennen. Seine 53 Jahre alte Frau war im April 2019 vor Gericht als Zeugin in dem Verfahren gegen ihren Mann vernommen worden. Dabei geht es um Zahlungen Nissans an den Vertriebspartner Suhail Bahwan Automobiles LLC in Oman. Davon sollen 5 Millionen Dollar an die Gesellschaft Beauty Yachts geflossen sein, als deren Chefin Carole Ghosn eingetragen ist, um eine Luxusyacht zu kaufen.

          Nissan erklärte am Dienstag in einer ersten Stellungnahme zur Flucht Ghosns, eine interne Untersuchung habe unbestreitbare Evidenz für Fehlverhalten Ghosns und die Veruntreuung von Unternehmensgeld für persönliche Zwecke gefunden. Das Unternehmen werde weiter gegen Ghosn rechtlich vorgehen, um ihn für den Schaden haftbar zu machen. In der internen Untersuchung war der Schaden für Nissan mit 35 Milliarden Yen (290 Millionen Euro) beziffert worden.

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