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Börse Riad bricht ein : Saudi-Arabien drohen wegen Khashoggi wirtschaftliche Konsequenzen

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Kashoggi wurde zum letzten Mal gesehen, als er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat. Bild: AFP

Nach dem Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi warnt Saudi-Arabien andere Länder vor Wirtschaftssanktionen. Einige Unternehmen stellen ihre Teilnahme beim bevorstehenden Wirtschaftsgipfel in Riad schon in Frage.

          Saudi-Arabien ist im Streit um die mutmaßliche Ermordung eines Journalisten auf offene Konfrontation zu den Vereinigten Staaten gegangen. Hintergrund sind Äußerungen von Präsident Donald Trump, dass Saudi-Arabien mit einer „schweren Bestrafung“ rechnen müsse, wenn der prominente saudische Regierungskritiker und Journalist Jamal Khashoggi von einem saudischen Kommando in Istanbul getötet worden sein sollte.

          Die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa berichtete am Sonntag unter Berufung auf nicht näher genannte offizielle Quellen, dass jede Handlung gegen das Land „mit einer größeren Handlung“ beantwortet werde. Das Königreich weise jeden Versuch zurück, ihm schaden zu wollen, sei es durch Drohungen, dem Erlassen von Wirtschaftssanktionen, politischem Druck oder der Wiederholung falscher Anschuldigungen.

          An der Aktien-Börse in Riad sorgten die Spannungen für große Unruhe. Der Tadawul-All-Share-Index sackte um bis zu 7 Prozent ab. Zu Handelsschluss hatte sich das Minus halbiert. Von den 186 Einzelwerten verzeichneten lediglich 7 keinen Verlust. Am stärksten betroffen vom Ausverkauf waren Saudi Telecom und Jabal Omar Development.

          Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat im türkischen Istanbul betreten, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seitdem wird der Journalist vermisst. Türkische Regierungs- und Geheimdienstkreise streuen seit Tagen die These, dass Khashoggi im Konsulat ermordet wurde. Saudi-Arabien weist das zurück.

          Einige Unternehmen sagen Teilnahme an „Wüsten-Davos“ ab

          Nach dem Verschwinden Khashoggis im Istanbuler Konsulat seines Landes drohen Riad wirtschaftliche Konsequenzen. Angesichts des Verdachts, dass der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman den prominenten Regierungskritiker ermorden ließ, sind zahlreiche westliche Unternehmen auf Distanz gegangen. Selbst Firmen, die den Reformkurs des Kronprinzen bisher unterstützten, sagten ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel Ende Oktober ab.

          Der junge Kronprinz hatte weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen eingeleitet, darunter das ehrgeizige Programm Vision 2030, mit dem das ölreiche Königreich zu einem Zentrum für Technologie und Innovation umgebaut werden soll. Obwohl bin Salman zugleich die Repressionen gegen Kritiker verschärfte, stellten sich viele prominente Wirtschaftsführer im Westen hinter dieses Programm.

          Eigentlich wollte der Kronprinz nun bei einem „Wüsten-Davos“ genannten Wirtschaftsgipfel vom 23. bis 25. Oktober sein ambitioniertes Reformprogramm präsentieren und bei ausländischen Wirtschaftsvertretern um Investitionen werben. Doch der Verdacht, dass der Thronfolger einen prominenten Journalisten im eigenen Konsulat per Mordkommando beseitigen ließ, hat viele Unternehmen aufgeschreckt.

          Nachdem Riad nach dem Verschwinden Khashoggis in Istanbul bislang den Beweis für seine Behauptung schuldig geblieben ist, dass der Regierungskritiker das Konsulat lebend wieder verließ, gehen besonders Medienunternehmen auf Distanz. So teilte die „New York Times“ mit, nicht mehr als Sponsor für die Future Investment Initiative zur Verfügung zu stehen. Prominente Journalisten sagten ihre Teilnahme an dem Gipfel ab.

          Der „NYT“-Kolumnist Andrew Ross Sorkin sagte, er sei „furchtbar erschüttert“ über die Berichte zum Mord an Khashoggi und werde nicht kommen. Auch Uber-Chef Dara Khosroshahi verkündete, wenn sich die Faktenlage nicht komplett ändere, bleibe er dem Treffen fern. Seine Absage ist besonders symbolträchtig, da Saudi-Arabiens Staatsfonds seit 2016 mit 3,5 Milliarden Dollar an dem amerikanischen Transportvermittlungsdienst beteiligt ist.

          Der Gründer der Virgin-Gruppe, Richard Branson, ging noch weiter und legte mehrere geplante Kooperationsprojekte mit Saudi-Arabien auf Eis. Er habe „große Hoffnung“ in die Reformen von bin Salman gesetzt, doch sollten sich die Berichte zu Khashoggi bewahrheiten, werde dies „die Geschäftsperspektiven aller westlichen Staaten gegenüber der saudiarabischen Regierung radikal ändern“, sagte der britische Milliardär.

          Andere Wirtschaftsvertreter wollen trotz der Khashoggi-Affäre weiter an dem Treffen in Riad teilnehmen. Siemens, dessen Chef Joe Kaeser eingeladen ist, teilte mit, der Konzern verfolge die Situation genau, halte aber an seiner Teilnahme fest. Auch der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin sagte, er habe seine Pläne „bisher“ nicht geändert. Jamie Dimon von der amerikanischen Investmentbank JP Morgan will ebenfalls weiter an der Konferenz teilnehmen.

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